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163. Zusammenkunft am 6. Juni 2007 im Schloss der Markgrafen von Baden in Salem am Bodensee

Sprecher des Collegiums

Dr. Manfred Osten

Vortrag in der Collegiumsrunde

Prof. Dr. Wolf Singer

Thema

Philosophische Implikationen der Hirnforschung

163. Zusammenkunft am 6. Juni 2007 im Schloss der Markgrafen von Baden in Salem am Bodensee

Vorwort

Elf Jahre nach einem Collegium in der Internatsschule Schloß Salem und nur drei Jahre nach der unvergessenen Zusammenkunft im Schloß Heiligenberg der Fürsten zu Fürstenberg zog es das Bremer Tabak-Collegium erneut an den Bodensee: seine 163. Zusammenkunft fand am 6. Juni 2007 im Schloß der Markgrafen von Baden in Salem statt.

Kein Wunder, bietet doch die Region um den Bodensee wie kaum eine andere Landschaft Einblicke in die deutsche und die europäische Geschichte – von den ersten Siedlungsspuren aus der Jungsteinzeit, den erkennbaren Resten der römischen Besatzung aus der Zeit Julius Caesars, den Klostergründungen durch die Benediktiner und Zisterzienser im Mittelalter, die vielfältig nachvollziehbare Entwicklung der Region durch Karolinger und Stauffer zu einem Zentrum der christlichen Welt, oder die großartigen Denkmale aus der Zeit des Barock, als die Region nach dem 30jährigen Krieg unter habsburgischem Einfluß erneuert wurde: die Bodenseeregion weist eine großartige Fülle von Denkmalen der Kulturgeschichte auf.

Und so versammelten sich mehr als 160 Gäste in dem eindrucksvollen markgräflichen Schloß, um dessen künftige bauliche Erhaltung es in den zurückliegenden Monaten eine öffentliche, und nicht  immer nur sachliche, Diskussion gegeben hatte. Das Amt des Collegiumssprechers hatte Dr. Manfred Osten, ehemaliger Generalsekretär der Alexander-von-Humboldt-Stiftung und Mitglied des ‚Kleinen Gremiums’, übernommen, der in seiner Begrüßung der Gäste in der historischen Bibliothek des Schlosses an den dänischen Philosophen Sören Kierkegaard erinnerte, nach dem „… das Leben zwar nach vorwärts gelebt, aber nur nach rückwärts verstanden wird“, und auf diese Weise der geschichtlichen Bedeutung der Region und des Hauses seine Reverenz erwies.

Zum Bremer Abendbrot versammelten sich die Gäste, an dicht zusammenstehenden Tischen, in der langgezogenen Galerie vor dem Kaisersaal. Dr. Osten – als einem der intimsten Kenner des im deutschen Sprachraum für anspruchsvolle Zitate unentbehrlichen Geheimrats aus dem Frankfurter Großen Hirschgraben – konnte es in seiner Tischrede nicht schwer fallen, Verbindungslinien zwischen dem Hause Baden und Goethe zu finden, die in einer Verbeugung vor dem Gründer des Großherzogtums Baden, dem Markgrafen Karl Friedrich, endeten. S.K.H. Prinz Bernhard von Baden ging in seiner – ebenso brillanten wie kenntnisreichen – Tischrede auch auf die bereits erwähnte öffentliche Diskussion um die Zukunft Schloß Salems ein. Seine offene Schilderung des in der öffentlichen Debatte von den meisten Medien nicht immer objektiv dargestellten  Sachverhalts hat die Gäste des Abends gewiß beeindruckt – der Beifall am Schluß durfte jedenfalls als Ausdruck großer Zustimmung wahrgenommen werden. In diese Stimmung paßte dann auch das Grußwort des Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg, Günter Oettinger, der den Weg von Stuttgart nach Salem zu später Stunde – nach Beendigung des Staatsbesuches des mexikanischen Staatspräsidenten – nicht gescheut hatte, um im Rahmen des Bremer Tabak-Collegiums ebenfalls ein sehr positives Votum für eine einvernehmliche Lösung mit dem Haus Baden abzugeben. Auch dies wurde mit viel Beifall aufgenommen.

Die Collegiumsrunde fand sodann in dem überaus eindrucksvollen Kaisersaal des Schlosses statt, in dem der Frankfurter Hirnforscher Prof. Dr. Wolf Singer das Wort zum Thema

„Philosophische Aspekte der Hirnforschung“

ergriff. In glänzender Rede, die auch diejenigen Gäste versöhnen konnte, die sich für die wunderbare Atmosphäre im Kaisersaal ein ‚leichteres’ Thema gewünscht hätten, stellte Professor Singer zahlreiche Facetten seines – ebenso anspruchsvoll wie auch kontrovers diskutierten – Forschungsgebietes vor: beispielsweise die These, daß alle mentalen Phänomene, die wir als geistige, seelische oder psychische Abläufe wahrnehmen, auf neuronalen Prozessen beruhen – eine These also, die eine philosophische Position, d.h. einen Unterschied zwischen naturgesetzlichen und philosophisch-moralischen Qualitäten, ausschließt. Es lag auf der Hand, daß sich im Anschluß an den faszinierenden Vortrag eine sehr lebendige, anhaltende und auch kontroverse Diskussion ergab, an der sich zahlreiche Gäste beteiligten. Prof. Singer sei auch an dieser Stelle noch einmal sehr herzlich für seinen Vortrag gedankt – dem in der hier vorliegenden gedruckten Fassung einige Schaubilder hinzugefügt wurden.

Die nach der Aufhebung der Collegiumsrunde und dem offiziellen Ende des Collegiums noch bei Bremer Bier und dem üblichen ‚Mittelwächter’ in den ‚Abtszimmern’ bis weit nach Mitternacht fortgesetzten Gespräche waren wohl auch für diejenigen Gäste ein Hinweis auf ein erfolgreiches Collegium, denen die Transferbusse zu den Hotels zu frühzeitig abgefahren waren.

*   *

Die 164. Zusammenkunft des Bremer Tabak-Collegiums wird im September 2007 im – wegen seiner in roten Klinkern ausgeführten Fassade „Rotes Rathaus“ genannten – Rathaus in Berlin stattfinden.

163. Zusammenkunft am 6. Juni 2007 im Schloss der Markgrafen von Baden in Salem am Bodensee

Begrüßung – Dr. Manfred Osten

Königliche Hoheit, Großherzogliche Hoheiten, meine Herren,

ich begrüße Sie im Namen des Bremer Tabak-Collegiums hier in der historischen Bibliothek im Schloß der Markgrafen von Baden in Salem. Salem ist der Sitz jener fürstlichen Familie des Hochmittelalters, die seit über 900 Jahren mit dem Namen des Hauses Baden durch alle Veränderungen der Zeiten kontinuierlich verbunden ist. Und dies in einer Landschaft, von der aus Deutschland christianisiert, also kultiviert wurde. Nämlich durch die Mönche vom Bodensee, die nicht nur auf der Insel Reichenau, sondern als Zisterzienser auch hier in Salem ihre Heimstatt besaßen. Wir stehen hier also auf dem Boden einer deutschen, einer europäischen Kultur, die von ihrem Ursprung her christlich ist. Wenn auch – wie Sie wissen – im Entwurf der EU-Charta diese Herkunft nicht mehr erwähnt wird.

Ich erwähne dies an diesem Ort des kulturellen Gedächtnisses, weil er, wie kaum ein anderer, geeignet ist, uns zu erinnern an ein Verdikt des dänischen Philosophen Sören Kierkegaard. Daß nämlich das Leben zwar nach vorwärts gelebt, aber nur nach rückwärts verstanden wird. Daß wir heute und hier Gelegenheit haben, den Blick nach rückwärts zu richten auf unsere Herkunft, dafür möchte ich Ihnen, Königliche Hoheit, von Herzen danken. Wir haben damit Gelegenheit, dem Vorwurf zu entgehen, eine Gesellschaft des Vergessens zu sein. Eine Gesellschaft, die angeblich – einem on dit zufolge – auf dem Wege ist, sich bereits als Historiker zu betrachten nach der Lektüre der Tageszeitung von gestern. Aber auch der Aspekt des Lebens nach vorwärts soll heute in Gestalt eines renommierten Repräsentanten der modernen Lebenswissenschaften zur Sprache kommen. Ich danke daher schon jetzt Herrn Professor Singer dafür, daß er bereit ist, mit seinem Vortagsthema die Philosophie unserer Herkunft mit aktuellen Fragen der Zukunft in Relation zu setzen.

Zur Herkunft gehört heute Abend auch die Löffeltrunk-Tradition des Bremer Tabak-Collegiums. Und ich bitte bei diesem Eingangs-Zeremoniell unsres gesellig-gesprächigen Abends um Nachsicht, daß wir hierbei im Herzen des markgräflichen Badener Landes echten norddeutschen Korn löffeln, während ringsum einige der besten deutschen Weine gedeihen. Hinzu kommt, daß für Ohren des Badener Landes der plattdeutsche Löffeltrunkspruch möglicherweise fremd klingt. Aber ich bin sicher, daß unser liebenswürdiger Gastgeber es mir nicht verübelt, wenn ich ihm jetzt versichere:

„ik seh di“ – „dat freut mi“
„ik drink di to“ – „dat doo“
„Prost“
„ik heff di tosapen“ – „hest den Rechten drapen“.

Ich wünsche Ihnen allen einen gewinnbringenden, angenehmen und vergnüglichen Abend !

163. Zusammenkunft am 6. Juni 2007 im Schloss der Markgrafen von Baden in Salem am Bodensee

1. Tischrede – Dr. Manfred Osten

Königliche Hoheit, Großherzogliche Hoheiten, meine Herren. Außerdem begrüße ich in absentia den Herrn Ministerpräsidenten des Landes Baden Württemberg, Günther Oettinger, der sein Kommen für 20:30 Uhr mit einer Tischrede zugesagt hat.

Da wir uns hier im Hause Baden befinden, lassen Sie mich beginnen mit einer etwas ungewöhnlichen literarischen Reminiszenz, die dem Gründer des Großherzogtum Baden und seiner Nichte gilt. Das heißt also dem Markgrafen Karl Friedrich von Baden und Luise von Hessen Darmstadt, der späteren Ehefrau des Herzogs Carl August von Sachsen-Weimar. Mit diesem Stichwort werden Sie vielleicht schon ahnen, wer damals, im Mai 1775, als gerade sechsundzwanzigjähriger Autor von Die Leiden des jungen Werthers in Karlsruhe besuchte und über den Markgrafen und seine Nichte die folgenden Worte notierte: „Luise ist ein Engel, der blinkende Stern konnte mich nicht aufhalten, einige Blumen aufzuheben, die ihr vom Busen fielen und die ich in der Brieftasche bewahrte. Der Herr Markgraf, wegen seiner vortrefflichen Regierungszwecke hoch verehrt, unterhielt sich gern von staatswirtlichen Angelegenheiten.“

Ich erwähne dieses Goethe-Zitat, weil es weitreichende Einsichten enthält einerseits in die Geschichte des Hauses unseres Gastgebers und andererseits für das Thema des Festredners des heutigen Abends, Professor Wolf Singer, Leiter des Max Planck-Instituts für Hirnforschung in Frankfurt am Main.

Was die Geschichte betrifft, wird sich 31 Jahre nach dieser Notiz Goethes nämlich erfolgreich das bestätigen, was er als die „vortrefflichen Regierungszwecke“ und das Interesse für „staatswirtliche Aufgaben“ des Markgrafen notiert hatte. Das heißt, 1806 gelingt Karl Friedrich von Baden mit Napoleons Hilfe die Gründung des Großherzogtums Baden. Die Ironie des Schicksals will es, daß im selben Jahr Goethes eigener Herr, Herzog Carl August, sich als Verlierer in Sachen „staatswirtlicher Aufgaben“ erweist: Er muß als preußischer General nach der katastrophalen Niederlage in der Doppelschlacht von Jena und Auerstedt flüchten. Er tut dies unter Zurücklassung eben jener Nichte des badischen Markgrafen, der damaligen Herzogin Luise von Sachsen-Weimar. Ihr fällt die delikate Aufgabe zu, alleine den Sieger der Doppelschlacht, Napoleon, im Weimarer Schloß zu empfangen. Während Goethe selber es allein dem Mut seiner späteren Ehefrau, Christiane, verdankt, nach der Schlacht vor marodierenden Soldaten mit dem Leben davon zu kommen.

Meine Herren, es zeigt sich hier, daß es gibt Augenblicke gibt, in denen nicht wir, sondern die Frauen sich eindeutig als das stärkere Geschlecht erweisen. Goethe hatte dies offenbar bereits erkannt, als er 1775 heimlich einige Blumen vom Busen der Nichte des Markgrafen in die Brieftasche steckte. Um später, im Faust, das weibliche Geschlecht zu rühmen mit den Worten: „Der Frauen Naturell ist so nah mit Kunst verwandt.“ Man könnte meinen, ich wollte jetzt zu einer Damenrede ausholen. In Wahrheit nähere ich mich hiermit jedoch unserem Festredner, der diese stark emotionale Goethesche Empathie für die Frauen und die Kunst vermutlich der besonders dominanten rechten Gehirn-Hemisphäre Goethes zurechnen würde. Eine Hemisphäre, deren Funktionen, wie das Gehirn überhaupt, bekanntlich durch bio-chemische Prozesse bestimmt werden, im dynamischen Zusammenwirken mit anderen Hirnregionen. Neurowissenschaftliche Untersuchungen dieser dynamischen neuronalen Prozesse scheinen inzwischen sogar einen Verdacht zu bestätigen, den ausgerechnet derselbe Goethe, der 1775 den Markgrafen von Baden besuchte, wenige Jahre später selbst geäußert hat. Daß es sich nämlich bei dem philosophischen Gedanken der Willensfreiheit möglicherweise um einen Irrtum handelt. Obgleich es sich hierbei – wie Goethe ironisch einräumt – um einen Gedanken handelt, der „zu schön sei, als daß man ganz auf ihn verzichten könnte“. Auch den anderen Verdacht der Hirnforschung, daß das Selbstbewußtsein des Menschen möglichwerweise ebenfalls ein Irrtum sei, auch diesen Verdacht scheint Goethe schon zu bestätigen. Denn von ihm ist durch Eckermann der Satz überliefert: „Übrigens aber ist der Mensch ein dunkles Wesen, er weiß nicht, woher er kommt noch wohin er geht. Er weiß wenig von der Welt und am wenigsten von sich selber. Ich kenne mich auch nicht, und Gott soll mich auch davor behüten.“

Meine Herren, Sie sehen, daß sich also durch Goethe nahezu mühelos historische und sachliche Bezüge vom Haus Baden zum Thema des heutigen Festvortrags knüpfen lassen. Und erstaunlicherweise lassen sich ebenfalls fast mühelos zahlreiche Bezüge zwischen dem Haus Baden und dem Sitz des Bremer Tabak-Collegiums herstellen. Was das Wort Baden betrifft, so erscheint der deutsche Name Badon – mit einem o als zweitem Vokal – erstmalig in einer Urkunde von 987. Wohingegen der Name Bremen erstmals 782 in der Vita des ersten Bischofs Willhard erwähnt wird. Leider beginnt die Pflege der Beziehungen zwischen Bremen und Baden erst sehr viel später. Das heißt, viele hundert Jahre nach der Gründung der Zisterzienserabtei Salem im Jahr 1134 durch Guntram von Adelsrente. Leider nicht mit Mönchen aus Bremen, sondern aus dem Elsaß. Schon im 17. Jahrhundert aber, also in einer Zeit, als hier noch nicht die jetzigen Räume des Barock und Rokoko standen, gab es bereits protokollarischen Verkehr zwischen Bremen und Baden. Mit der Verbesserung der Verkehrseinrichtungen in Deutschland im 19. Jahrhundert intensivierten sich dann auch die wirtschaftlichen Beziehungen. Und seit der Mitte des 19. Jahrhunderts wurden sogar badische Exportartikel in steigendem Maße über die bremischen Häfen ausgeführt. Bremens Brauereien bezogen ihren Hopfen z.T. aus Baden. Vor allem aber unterhielten bremische Tabakfirmen enge Beziehungen zu den badischen Tabakanbaugebieten. Baden trug auf diese Weise also schon früh zur Förderung der Usancen des Bremer Tabak-Collegiums bei! Zeitweise hat Bremen dann umgekehrt wesentlich zur Erleuchtung beziehungsweise Beleuchtung Badens beigetragen: Das heißt, bis in die achtziger Jahre des 19. Jahrhundert haben Bremer Petroleum-Importhäuser den gesamten badischen Raum mit nordamerikanischem Öl versorgt.

Zu einer interessanten und bislang weitgehend unbeachteten Verbindung zwischen bremischen Reedern als Betreibern des Auswanderergeschäfts im 19. Jahrhundert und führenden politischen Kreisen im Großherzogtum Baden kam es dann im Vormärz. Mehrfach wurden in Bremen nämlich Neubauten von Schiffen nach badischen Politikern benannt, die sich im Rahmen der bürgerlich-liberalen Bewegung Deutschlands einen Namen gemacht hatten. Diese Bremer Schiffsbauten und Stapelläufe nahmen oftmals demonstrativ politischen Charakter an. Sie wurden als patriotische Volksfeste begangen und auch in Baden beachtet. So galt im Februar 1847 ein patriotisches Schiffstaufe-Fest Johann Adam von Itzstein (1755 – 1855) und Karl Theodor Welcker (1790 – 1869). Beide waren führende Köpfe der liberaldemokratischen Opposition in Baden. Diese intensivierten Beziehungen zwischen Bremen und Baden gipfelten 1840 schließlich in der Errichtung eines Badischen Konsulats in Bremen. Es blieb bis zum Jahre 1933 bestehen.

Es ist also ganz offensichtlich, daß der heutige Abend auch im Kontext dieser alten badisch-bremischen Tradition steht. Und ich bin sicher , daß der heutige Abend auch im Zeichen des Dialogs der beiden großen Wissenschaftskulturen stehen wird. Denn schon die Formulierung des Vortragsthemas lädt ja die Geistes- und Naturwissenschaften zum Gespräch ein. Das Vortragsthema widerlegt damit die pessimistische Anekdote, derzufolge ein Physiker und ein Soziologe zum Tode verurteilt sind, aber beide noch einen letzen Wunsch äußern dürfen. Der letzte Wunsch des Soziologen lautet: „Ich möchte gerne noch einen Vortrag halten.“ Der letzte Wunsch des Physikers lauet daraufhin: „Dann möchte ich gerne eine Stunde früher sterben!“

Meine Herren, ich möchte daher selber vorsorglich an dieser Stelle meinen Vortrag abbrechen und Ihnen nunmehr guten Appetit wünschen beim Bremer Abendbrot !

163. Zusammenkunft am 6. Juni 2007 im Schloss der Markgrafen von Baden in Salem am Bodensee

2. Tischrede  –  S.K.H. Prinz Bernhard von Baden

Meine sehr geehrten Herren!

In seltener und glücklicher Weise treffen sich hier in Salem am heutigen Abend Verbindungslinien der deutschen Geschichte.

Das Bremer Tabak-Collegium steht in der stolzen Tradition der Hansestadt Bremen einerseits und in der eigenwilligen und schönen Gesprächskultur der ersten Preußenkönige andererseits.

Mit Ihrem Namen und Ihrem Wirken tragen Sie den Namen Bremens und den Ruf der Bremer Kaufmannschaft weit über die Grenzen der Hansestadt hinaus. Ich gehe davon aus, oder besser gesagt: ich weiß, daß Ihre Gesellschaft jeweils die Wahl hat zwischen vielen schönen Orten in Deutschland und im Ausland, und ich freue mich sehr, daß Sie gerade in diesem für Salem so wichtigen Jahr hierher zurückgekehrt sind.

Das erste Mal hatten Sie sich 1996 – vor elf Jahren – in diesem ehemaligen Zisterzienserkloster getroffen. Damals stand das von meinem Urgroßvater Prinz Max gegründete Internat im Vordergrund. In diesen elf Jahren sind viele der Baulichkeiten, insbesondere das gotische Münster aufwendig erneuert worden. Ich selbst bin erst seit 1998 Generalbevollmächtigter des Markgrafen von Baden und grüße Sie alle auch in seinem Namen.

Heute steht Schloß Salem im Brennpunkt der Öffentlichkeit und der Politik. Bevor ich aber auf die aktuelle Lage eingehe, lassen Sie mich zuerst ein paar Worte zu den Verbindungslinien zwischen Ihrer Herkunft und dem Kloster-Schloß in der Geschichte und heute sagen.

Wir alle wissen, daß die Hanse und die kaufmännische Tradition Bremens weit ins Mittelalter in die Zeit Karl des Großen zurückgehen. Die Anfänge des Klosters gehen zurück ins 12. Jahrhundert, und es hat mit etwa 130 Mönchen eine erste Blütezeit im 13. Jahrhundert erreicht.

Weniger bekannt ist, wie tüchtig die Zisterzienser schon in jener Zeit waren. Man könnte sagen, daß die Zisterzienser als Reformorden der Benediktiner der Hanse in der Region des Bodensees wirtschaftlich geradezu Konkurrenz gemacht hatten – nicht im Sinne des Tätigwerdens auf dem gleichen Markt, aber doch im Sinne der Tüchtigkeit und des Erfolges.

Ein englischer Kleriker hat im 12. Jahrhundert gar kritisch bemerkt, mit welcher Schärfe die Zisterzienser ihre ökonomischen Prinzipien befolgt und durchgesetzt hätten. Salem war wirtschaftlich deutlich erfolgreicher als etwa die Reichenau oder auch St. Gallen, wobei das Einkommen insbesondere aus Salzminen im heutigen Österreich, dem damit verbundenen Salzhandel, dem Weinbau und der Land- und Forstwirtschaft stammte. Das Wirtschaften der Zisterzienser in Salem trug durchaus erste Züge eines rationalen Kalkulierens und Handelns.

Daß hierzu auch damals die Zukunftsplanung gehörte, sehen Sie daran, dass sich die Chorpartie des Ziegeldaches des Münsters aus dem 12. und 13. Jahrhundert bis heute gehalten hat. Über Salem sind seither viele Stürme hinweggegangen, ohne, daß das Kloster und später das Schloß auf Dauer Schaden genommen hätte.

Salems wirtschaftliche Bezüge lagen von Anfang an in der Region um den Bodensee. Von einem Deutschland war noch lange nicht die Rede, viel eher von einem europäisch­-christlichen Abendland. Als dieses Abendland – und jetzt mache ich einen großen historischen Sprung – gegenüber dem Osmanischem Reich in schwere Bedrängnis geriet, kämpfte mein Vorfahre, Markgraf Ludwig-Wilhelm von Baden – der Türkenlouis – mit Erfolg an der ersten Front unter anderem auch vor Wien.

Es wäre reizvoll, die angesprochenen historischen Linien weiter zu verfolgen und nachzuzeichnen. Sie brauchen aber nicht zu befürchten, daß ich dies jetzt auch tue. Dazu läßt Ihr Protokoll nicht die Zeit.

Worum es mir heute in der Kürze der Zeit geht, ist, daß historische Institutionen und die Pflege der Tradition in Deutschland weniger im Vordergrund stehen, als etwa in England und Frankreich.

Dazu hat beigetragen, daß Deutschland erst so spät entstanden ist. Die Bruchlinien der Geschichte sind in Deutschland vielfältiger ausgeprägt, und der Nationalsozialismus hat dann noch sein Eigenes getan und das historische Bewußtsein in Deutschland weiter geschwächt.

So bleibt es dabei, daß in Deutschland nur wenige gefestigte institutionelle Verbindungslinien tief in unsere Geschichte zurückführen, und Ihr Treffen heute gerade in Salem erhält dadurch sein besonderes Gepräge.

Meine Herren!

Für Bremen war Unternehmertum und Gemeinsinn schon immer eine Grundlage des Denkens und Handelns. In meiner Familie ging es auch nach dem Thronverzicht 1918 nicht in erster Linie um strikt unternehmerisches Denken, sondern noch lange um Belange des Gemeinwohls.

In den 1990er Jahren wurde jedoch klar, daß Denken in diesen Kategorien auch für meine Familie in eine Sackgasse führen mußte.

Ich wurde im Jahre 1998 mit 28 Jahren Generalbevollmächtigter meines Vaters, und hatte fürs Erste von früh bis abends mit Konsolidierung und Modernisierung unseres mittelständischen Unternehmens voll zutun. Ich meine, daß mir dieses Unterfangen gelungen ist und unser heutiges Unternehmen mit etwa 120 Mitarbeitern auf festem Boden steht. Und dennoch besteht heute – trotz aller Diskussionen um Tabak und Tabakkonsum – der große Unterschied zwischen Ihrem renommierten Tabak-Collegium und Schloß Salem darin, daß Sie allen Anlaß haben, mit Zuversicht in die Zukunft zu blicken, während die Zukunft von Salem eher in den Sternen steht.

Die Erhaltung der öffentlichen ehemaligen Klosteranlage Salem hat meiner Familie seit den 1990er Jahren gut 30 Mio. EUR gekostet, und daraus ist eine finanzielle Schieflage entstanden, die ich korrigieren muß. In Zukunft wird unser Familienunternehmen diese Größenordnungen nicht erwirtschaften können, auch wenn es noch so wirtschaftlich erfolgreich arbeitet. Man muß nicht Wirtschaftsexperte sein, um festzustellen, daß das größte gotische Münster in Baden nach Freiburg und ein Kulturbetrieb mit 130.000 Besuchern pro Jahr aus privaten Mitteln einer Familie nicht getragen werden kann.

In der Zeit von 2003 bis zum Oktober 2006 hat sich in konstruktiven Verhandlungen mit den Vertretern der Landesregierung für dieses existenzielle Problem des kulturhistorischen Erbes Salem eine Lösung abgezeichnet, die seither aber in Frage gestellt ist.

Der Ansatz dieser Lösung bestand und besteht darin, die offenen Vermögensfragen im Verhältnis zwischen dem Land Baden-Württemberg und meinem Haus mit der Zukunft der ehemals reichsfreien Abtei Salem zu verknüpfen. Es ging und geht dabei also nicht um eine Alimentierung meines Hauses durch das Land, sondern um einen Vergleich, welcher dem Land historische Sammlungen im geschätzten Wert von mehreren hundert Mio. EUR zugesprochen hätte, die meine Familie rechtlich schon immer für sich in Anspruch genommen hatte.

1872 hat das Land unserer Rechtsauffassung zugestimmt. Auch nach dem Thronverzicht meines Hauses 1918 hat das Land Baden klargestellt, daß das private Eigentum der großherzoglichen Familie respektiert wird, und die Bestände sind nicht enteignet worden. Auch in den 50er Jahren blieb das Land bei dieser Rechtsauffassung. Ebenso im Jahre 1960 hat das Land eindeutig festgehalten, daß die vor 1872 vorhandenen Gegenstände historisch dem Eigentum des Hauses Baden zuzuordnen waren, wenn nicht im Einzelfall der Nachweis für einen Erwerb des Landes vorliegt. Diese Feststellung wurde auf der Grundlage eines vom Land in Auftrag gegebenen Gutachtens getroffen, welches kurz zuvor nochmals die historischen Vorgänge im einzelnen aufgearbeitet hatte.

Erst ein Gutachten führte 1967 insoweit zu einer Wendung, welche im Ergebnis die historisch gewachsenen und respektierten Realitäten auf den Kopf stellen wollte. Zum Glück ändert sich historisch fundiertes Recht nicht mit der Erstellung eines Gutachtens. Ohnehin liegen vier andere Gutachten vor, die zu anderen Ergebnissen führen; drei davon sind vom Land Baden und später von Baden-Württemberg in Auftrag gegeben. Aber das Ergebnis ist nun einmal, daß zwischen dem Land und meinem Haus seit 1967 unterschiedliche Auffassungen bestehen.

Aus praktischer Sicht wird es auch darum gehen, wie das weitere politische Vorgehen mit den gegebenen Finanzzwängen und Forderungen der Banken gegenüber meinem Haus in Einklang gebracht werden kann. Unter dem Strich hoffe ich jedenfalls, daß die Politik den gordischen Knoten im Lichte aller rechtlichen Gutachten rechzeitig durchschlagen kann. Insoweit stimmt mich hoffnungsvoll, daß alle im Landtag vertretenen Parteien den Willen bekundet haben, für den Erhalt von Salem einzutreten.

Dennoch: seit Oktober 2006 finden keine Verhandlungen mit dem Land mehr statt. Alles liegt auf Eis. Ich muß mich jetzt auf alle Eventualitäten einrichten, wobei das Spektrum der möglichen weiteren Schritte weit ist.

Auf der einen Seite steht die freie wirtschaftliche Verwertung des ehemaligen Klosters, die einer Zwangsverwertung durch die Banken nach Ablauf des derzeitigen Moratoriums auf jeden Fall vorgezogen werden muß.

Auf der anderen Seite steht die heute berechtigte Hoffnung, dass meinem Haus aus rechtlicher Sicht deutlich mehr Vermögen aus den Kunstsammlungen zusteht, als dies bei den Vergleichsverhandlungen angenommen worden ist.

Fürs erste hängt alles am Ergebnis der vom Staat eingesetzten Kommission, aber auch an der Arbeit einer von mir selbst eingerichteten Kommission, deren erste Ergebnisse mir vorliegen.

Unter den gegebenen Umständen sehe ich das Kommen von Ministerpräsident Günther Oettinger, als eine Geste der Wertschätzung des Bremer Tabak-Collegiums und seinem Treffen hier in Salem. Ich freue mich, daß ich ihn später in unserem Kreis begrüßen kann.

Meine Hoffnung bleibt – wie von mir seit 2003 angestrebt -, daß Salem in eine gemeinnützige Stiftung eingebracht werden kann, welche die Tradition und den Erhalt der historischen Anlage auf Dauer sichert.

Für den Fall, daß es, wie immer noch gehofft, zu einer Stiftung kulturhistorisches Erbe Salem kommt, möchte ich Sie jetzt schon gerne zu einer weiteren Veranstaltung hier nach Salem einladen. Dies wird hoffentlich schon sehr bald sein, so daß vor Ihrer nächsten Tagung in Salem nicht wieder ein Intervall von elf Jahren vergehen muß.

Es würde mich dann freuen, die heute nur unvollständig vorgetragenen Parallelen und Unterschiede in unserer Tradition zu ergänzen und zu vertiefen.

Damit dies gelingen kann, werde ich mich in der kommenden Zeit an das Leitmotiv meines Vorfahren, des Türkenlouis, halten: „Die mutige Kraft verjagt und zerschlägt das Schwierige.“ „Ardua deturbans vis animosa quatit.“

163. Zusammenkunft am 6. Juni 2007 im Schloss der Markgrafen von Baden in Salem am Bodensee

Vortrag – Prof. Dr. Wolf Singer

„Philosophische Implikationen der Hirnforschung“

Königliche Hoheit, Herr Ministerpräsident, meine Herren,

eine Vorbemerkung: Ich bin in hohem Maße bewegt von diesem Bild und zutiefst dankbar, meine Herren, in diesem Rahmen zu Ihnen sprechen zu dürfen. Ungewohnt ist für einen Wissenschaftler, der meist in Hörsälen spricht und mit PowerPoint farbige Bilder an die Wand projiziert, die selbsterklärend sind, ohne Zuhilfenahme dieser Technik komplizierte Sachverhalte zu erklären. Sie werden deshalb auf einige visuelle Genüsse heute abend verzichten müssen, aber ich glaube, Sie werden durch die Pracht dieses Raumes reichlich entlohnt.

Ungewohnt ist auch, daß ich Ihre Augen nicht erkennen kann. Es ist für den Redner immer wichtig zu sehen, wie viele der Zuhörer sanft entschlummert sind, um entsprechend abzukürzen. Das wird mir heute Abend nicht möglich sein. Ich bitte Sie deshalb um Nachsicht, wenn ich über Ihren Schlaf hinweg spreche.

Eine kurze Bemerkung zu den Kaisern in diesem Saal. Es ging mir gerade durch den Kopf, Friedrich der II. – der Staufer – war naturwissenschaftlich sehr interessiert und hat zwei Versuche gemacht, die für das, was ich heute Abend vortragen werde, direkt relevant sind. Er hat sich einmal gefragt, wie wichtig soziale Interaktion für die Ausreifung von Hirnfunktionen ist und hat versucht, Kinder ohne sprachliche Kontakte in Isolation aufwachsen zu lassen, um zu sehen, was der Mensch an sich ohne kulturelle Einbettung ist. Das Experiment ist fehlgeschlagen, weil keines dieser Kinder überlebte – woraus man schließen kann, wie enorm wichtig die soziale Interaktion für die Ausreifung normaler psychischer Vorgänge, ja sogar für das Leben selbst ist. Und der zweite Versuch bestand darin, herauszufinden, wie es sich mit dem Verhältnis von Leib und Seele verhält und auch darüber werde ich sprechen. Er hat Versuchspersonen in mit Teer abgedichtete Fässer gesperrt und den Tod abgewartet. Diese Fässer lagen auf einer Waage und die Erwartung war, daß, wenn die Seele entweicht, und es gab konkrete Vorstellungen darüber, wann das nach dem Eintreten des Todes zu geschehen hat, das Ganze etwas leichter werden würde, weil sich die Seele davon macht. Sie werden sehen, daß wir ein bißchen weiter gekommen sind, aber nicht sehr viel weiter.

Um zu erläutern, warum ich zu diesem etwas pessimistischen Schluß komme, möchte ich meinen Ausführungen ein epistemisches Kaveat vorausschicken, eine erkenntnistheoretische Warnung, die Sie sehr ernst nehmen sollten und die Sie in die Lage versetzt, alles das, was ich Ihnen hinfort erzählen werde, in Frage zu stellen. Sie sind frei das zu tun, vor allen Dingen dann, wenn Sie das eine oder andere als narzißtische Verletzung Ihres Selbstbildes verstehen mögen. Die Warnung ist, – und es steht uns Hirnforschern besonders an, darauf zu verweisen – daß alles, was wir wissen, daß alles, was wir wissen können, was wir uns vorstellen können, was wir erdenken können, von den kognitiven Leistungen unseres Gehirns abhängt. Wir können nur erfassen, was unsere Gehirne uns zu erfassen erlauben. Nun wissen wir, daß sich die Verfaßtheit des Gehirns und damit auch die kognitiven Leistungen des Gehirns, einem evolutionären Prozeß verdanken. Einem Prozeß, der daraufhin angelegt war, Organismen herauszubilden, deren vornehmste Pflicht es nicht war, die Welt so zu erkennen, wie sie möglicherweise „an sich“ ist, im Kant’schen Sinne. Es ging darum, in der Welt, die vorgefunden wurde, zu überleben. Dazu bedarf es ganz bestimmter Techniken, sehr idiosynkratischer Techniken, aber mit Sicherheit keines kognitiven Systems, das absolute Wahrheiten ergründen kann. Ich werde Ihnen einige Beispiele dafür geben, wie idiosynkratisch und pragmatisch unser kognitives System vorgeht, um die Welt zu interpretieren. Daraus folgt, daß die Art, wie wir die Welt wahrnehmen und die Art, wie wir uns die Welt vorstellen können und die Art, wie wir logische Schlüsse ziehen, eine besondere Art ist. Eine, die an diese Welt angepaßt ist. Und zwar nicht an die Welt an sich, sondern an eine Welt, die unsere Dimensionen hat, die mesoskopische Welt. Es ist die Welt im Zentimeter bis Meterbereich, die Welt, in der Lebewesen sich entwickelt haben. In dieser Welt gelten – cum grano salis – die Gesetze der klassischen Physik, weshalb sie zuerst entdeckt und formal beschrieben wurden. In dieser Welt sind die meisten der wichtigen Prozesse lineare Prozesse, also voraussagbare Prozesse, ganz anders als Börsenkurse, denn die kamen später dazu. In dieser Welt haben Objekte eine solide Konsistenz und interagieren nach Kausalgesetzen. Aber dies sind alles Spezialfälle. Wenn Sie daran denken, welche Weltbilder die Quantenphysik entwickelt, dann wird deutlich, daß diese sich dramatisch von der Welt unterscheiden, in der wir uns entwickelt haben, – die für unser Überleben relevant ist. Die Phänomene der Quantenwelt sind für unser Überleben genauso wenig relevant, wie die kosmologische Dimension, weshalb wir für diese Welten keine Sensorium entwickelt haben und auch kein Vorstellungsvermögen. Dies bringt uns ständig in Konflikte, wenn wir mit Hilfe von technischen Systemen, die unsere Sinnessysteme erweitern, und mit Hilfe von Nachdenken – welches seinerseits ein Spezialfall sein kann – Modellvorstellungen entwickeln, die in unserer Intuition nicht nachvollziehbar sind. Sie kennen die Beispiele aus der Quantenwelt – daß Objekte gleichzeitig hier und da sein können, daß Informationen von A nach B gelangen, ohne daß dabei Zeit in Anspruch genommen werden muß. Also nicht nur Nichtlichtgeschwindigkeit, sondern eine unendlich hohe Geschwindigkeit, wenn man überhaupt von Geschwindigkeiten sprechen kann. Sie kennen das Problem, daß man sich nicht vorstellen kann, was vor dem Urknall war, wenn es ihn denn nun gegeben hat, und wir wissen auch nicht, in welche Unendlichkeit hinein sich das Weltall ausdehnen kann. All das sind für uns unbeantwortbare und nicht vorstellbare Rätsel. Das Problem kommt daher, daß unser kognitives System, unser Gehirn sich nicht an diese Welt hat anpassen können. Wir haben kein Vorstellungsvermögen dafür entwickeln können, weil die Prozesse in diesen Welten für unser Überleben völlig irrelevant waren. Wären wir ganz klein und lebten trotzdem, dann wäre uns die Quantenwelt wahrscheinlich vorstellbar und möglicherweise wäre die Logik, die wir entwickelt hätten, eine ganz andere als die, nach der wir derzeit unsere Schlüsse ziehen.

Die Behauptungen der Neurobiologie

Nun, was sind die Behauptungen der Neurobiologie? Sie behauptet zum einen, daß alles Wissen über die Welt in der funktionellen Architektur des Gehirns residiert. Was meinen wir mit funktioneller Architektur? Wir meinen damit die Art und Weise, wie Nervenzellen miteinander verschaltet sind. Ob sie erregend oder hemmend miteinander interagieren und ob die Koppelungen stark oder schwach sind. Mehr Freiheitsgrade gibt es nicht im Gehirn. Die Nervenzellen sind komplexe, aber doch überschaubare, beschreibbare Einheiten und alles das, was Gehirne an besonderem Vermögen zu Tage legen, beruht auf der subtilen Art, wie Nervenzellen miteinander vernetzt sind. Wir behaupten ferner, daß auch die Regeln, nach denen das Wissen verwaltet und angewandt wird, das in dieser funktionellen Architektur niedergelegt ist, ebenfalls in der funktionellen Architektur dieses Systems liegen. Es ist also nicht so wie in Computersystemen. Es gibt kaum eine Analogie, die falscher sein könnte, als die vom „von Neumann Rechner“ mit Hirnen – mit biologischen Gehirnen – zu vergleichen. In diesen Rechnern gibt es ein Rechenwerk, und es gibt einen Speicher, und es gibt Soft- und Hardware Unterscheidungen. All das ist für Gehirne irrelevant. Hier gilt nur die funktionelle Architektur, also die Art und Weise, wie Nervenzellen miteinander verschaltet sind. Darin liegt alles Wissen, und darin liegen alle Programme, und es gibt keine weitere Reduktion.

Dann behaupten die Hirnforscher, daß alle mentalen Phänomene – auch die höchsten – also Phänomene, die wir als geistige, seelische oder psychische ansprechen, auf neuronalen Prozessen beruhen. Also aus diesen folgen und nicht ihnen vorausgehen. Das ist eine ganz wichtige Unterscheidung und deshalb schließt die Neurobiologie – zumindest zur Zeit – philosophische Positionen aus, die einen ontologischen Dualismus annehmen, um das Leib-Seele-Problem zu lösen. Die Neurobiologie kommt nicht zurecht mit dem Konzept, daß es eine von den Hirnprozessen unabhängige geistige Entität geben könnte, die mit den Hirnprozessen auf irgendeine geheimnisvolle Weise wechselwirkt. Die Neurobiologie behauptet vielmehr, daß alles, was uns ausmacht, einschließlich aller psychischer, mentaler – wenn Sie wollen auch moralischer – Qualitäten, die Folge von neuronalen Prozessen ist. Von Prozessen, die, wie wir glauben, den bekannten Naturgesetzen gehorchen. Im Augenblick ist der Stand der Wissenschaft so, daß wir glauben, keine Zusatzannahmen machen zu müssen über das hinaus, was wir über die Verfaßtheit der uns erkennbaren Welt wissen, um neuronale Prozesse vollständig beschreiben zu können. Woher nehmen wir diese Schlußfolgerung oder Überzeugung? Weil wir im Lauf der Evolution kaum Veränderungen in der molekularen Zusammensetzung und Funktionsweisen von Nervenzellen finden. Die Nervenzellen von Schnecken sehen ganz ähnlich aus wie die Nervenzellen unserer Großhirnrinde. Sie bestehen aus den gleichen Molekülen, bedienen sich der gleichen Signalsysteme. Wir haben nur viel mehr davon, weshalb sie auf sehr viel komplexere Art miteinander verschaltet sein können. Es sind keine ersichtlich neuen Prinzipien aufgetaucht auf dieser Ebene, weshalb wir glauben, daß es im Prinzip möglich sein müßte, auch die Funktionsweise sehr komplexer Gehirne mit bekannten  Mechanismen zu erklären.

Philosophische Implikationen

Nun, welche Implikationen hat die moderne Hirnforschung für klassische philosophische Fragestellungen? Innerhalb der letzten zwei, drei Dekaden befaßt sich die Hirnforschung immer mehr mit Phänomenen, die traditionsgemäß von den Geistes- und Humanwissenschaften bearbeitet worden sind. Warum? Weil wir auf Grund der Verfügbarkeit nicht invasiver Messtechniken auch Untersuchungen am Menschen durchführen können, Hirnfunktionen in Zusammenhang bringen können mit neuronaler Aktivität und feststellen, welche neuronalen Korrelate bestimmten psychischen Funktionen zuzuordnen sind. Auf diese Weise werden auch jene mentalen Funktionen angehbar, die früher ausschließlich von der Psychologie, und noch früher, ausschließlich von den Humanwissenschaften thematisiert worden sind. Ich sollte vielleicht gleich zu Beginn vorausschicken – und der Rahmen hier, glaube ich, ist der richtige, um auch einmal ein politisches Statement abzugeben, – daß ein großer Teil dessen, wenn nicht fast alles, was ich Ihnen erzählen werde, auf der Basis von Tierexperimenten erarbeitet worden ist und wir auch die Interpretation der Ergebnisse, die auf Untersuchungen am Menschen beruhen, nur leisten können, weil wir das hierzu benötigte Vorwissen aus Tierversuchen gewonnen haben. Sie werden ganz am Ende meines Vortrages sehen, daß wir diese Forschung nicht nur aus privater Forscherneugierde betreiben oder als zerebrale Gymnastik, sondern weil wir wissen, daß die erzielbaren Erkenntnisse früher oder später auch klinisch relevant werden.

Ich werde Ihnen am Beispiel der Schizophrenie zeigen, wie die Zusammenhänge sind. Und vor diesem Hintergrund – und ich glaube, es ist dies der richtige Rahmen bei diesem Bremer Tabak-Collegium – auf die unverantwortliche Polemik hinweisen, die in Bremen geschürt wird. Sie ist außerordentlich gefährlich, weil, wie Sie vielleicht aus der Presse wissen, versucht wird, die Primatenversuche, die in Bremen sehr erfolgreich durchgeführt werden, nach 2008 ganz abzuschaffen. Sollte dies gelingen, wird das bundesweit Signalwirkung haben. Es ist dann damit zu rechnen, daß diese Art von Forschung gänzlich eingestellt werden wird. Unsere jungen Wissenschaftler wandern schon jetzt aus, weil sie keine Perspektiven sehen.

Ich bitte Sie also, wenn Sie der gleichen Überzeugung sind, wie ich, setzen Sie sich dafür ein, daß dieses Malheur nicht geschieht, denn Deutschland hätte damit eine ganz besonders ausgezeichnete Rolle, die weltweit beäugt und schon von anderen mit Genugtuung betrachtet wird. Forschung, die hier unmöglich wird, wird dann mit unseren Besten im Ausland weitergeführt.

Nun, zurück zu den Implikationen der Hirnforschung für philosophische Fragestellungen: Da ist zum einen die Erkenntnistheorie. Eine Wissenschaft wie die Hirnforschung, die sich mit der Erforschung eines Organs befaßt, das die Wahrnehmungen vermittelt, die uns die Welt zu begreifen erlauben, muß Aussagen darüber machen können, wie objektiv unsere Wahrnehmung ist. Sie muß die alte philosophische Frage diskutieren, ob das was wir wahrnehmen, das ist, was tatsächlich draußen in der Welt der Fall ist, oder ob es sich um ein Konstrukt handelt. Sie werden von mir hören, daß ein erstaunlich hohes Maß dessen, was wir objektiv wahrzunehmen glauben, von unseren Gehirnen konstruiert ist und, daß sehr vieles was wir für objektiv halten, Interpretation ist. Dann muß die Hirnforschung sich zum Leib-Seele-Problem äußern. Sie muß Antworten auf die Frage finden, wie es sein kann, daß auf Grund von neuronalen Wechselwirkungen – also Wechselwirkungen zwischen materiellen Elementen, die elektrische und chemische Signale austauschen – Phänomene entstehen, die wir als psychische oder geistige apostrophieren. Wie kann man diesen Phasenübergang verstehen zwischen dem Materiellen und dem Geistigen, wenn wir behaupten, daß das eine aus dem anderen hervorgeht. Dann muß die Neurobiologie Stellung beziehen zu der Frage, wie sich das Ich, das Selbst, konstituiert. Wir wissen, daß das Ich, also jene Entität, die Entscheidungen fällt, Pläne macht, sich seiner selbst bewußt sein kann, sich seiner eigenen Gefühle gewahr werden kann, daß dieses Ich sich im Gehirn konstituiert. Die Frage ist, kann man es verorten? Wie soll man es interpretieren? Und schließlich stellt sich die Frage nach dem freien Willen. Sie haben sicher beobachtet, daß diese Frage in den Medien sehr ausführlich, besorgt und auch polemisch diskutiert worden ist. Nicht ohne Grund, denn wenn zutrifft, daß alles, was wir entscheiden, denken und uns vorstellen können, die Folge neuronaler Prozesse ist, und diese wiederum den Naturgesetzen gehorchen, dann kann der Wille nicht so frei sein, wie wir es empfinden und umgangssprachlich formulieren. Dann kann es nicht sein, daß wir in jedem Moment hätten anders handeln können als wir gehandelt haben. Und nachdem dies wiederum eine Begründung für eine Reihe von juristischen Schlußfolgerungen ist, ist auch diese Frage von hoher sozialer Relevanz.

Lassen Sie mich zunächst etwas bemerken zu den Implikationen der Hirnforschung für die Wahrnehmungstheorie, für die Epistemologie. Die Hirnforscher sind sich weitestgehend einig, daß Wahrnehmen im wesentlichen darauf beruht, daß ein ungeheurer Schatz von Vorwissen über die Verfaßtheit der Welt, Vorwissen, das in der funktionellen Architektur des Gehirns ruht, mit dem wenigen, das über die Sinnessysteme ins Gehirn gelangt, verglichen wird. Erst durch diesen Vergleich werden die Inhalte der Wahrnehmung berechnet. Es handelt sich also nicht um einen Abbildungsprozeß, sondern um einen synthetischen Akt, der sich auf ein ungeheures Maß an Vorwissen stützt. Leider kann ich Ihnen keine Bilder zeigen, die Sie davon überzeugen würden, daß das, was Sie sehen, in hohem Maße konstruiert ist, und nicht naturgegeben. Stellen Sie sich vor, daß die Szene, die Sie hier wahrnehmen, auf Ihrer Netzhaut nichts anderes ist als eine kontinuierliche Verteilung von Helligkeitswerten. Da gibt es keine Grenzen zwischen Objekten, zwischen Personen, sondern es handelt sich um eine kontinuierliche Verteilung von Helligkeitswerten, die wegen des Kerzenlichts nur sehr schwach moduliert ist. Dennoch gelingt es Ihnen mühelos, diese Szene zu segmentieren, einzelne Objekte zu identifizieren, sie als Personen zu identifizieren, sie vom Hintergrund abzutrennen und schließlich sogar herauszufinden, um wen es sich handelt, wenn es jemand ist, den Sie kennen. Es ist dies eine unglaublich schwierige Leistung, die Sie automatisch erbringen, die nicht zu leisten wäre, wenn Sie nicht eine ungeheure Fülle von Vorwissen über Objekte hätten, darüber, was sie auszeichnet, welche Kriterien man anwenden muß, um Objekte als solche zu identifizieren. Es sind dies Kriterien, die auf unsere Lebenswelt angepaßt sind und nicht absolut sein müssen. Man kann sich andere Welten vorstellen, wo Objekte anders definiert sind. Wahrnehmen ist also ein in hohem Maße konstruktivistischer Prozeß, der auf Vorwissen beruht. Und nun stellt sich die Frage, woher das Gehirn das Wissen hat, das es anwendet, um die Welt zu interpretieren, zu ordnen und sie sich so zurecht zu legen, wie sie uns erscheint.

Quellen des Wissens

Ich hatte Ihnen eingangs gesagt, daß alles Wissen in der funktionellen Architektur liegt. Also reduziert sich die Frage nach der Herkunft des Wissens auf die Frage, was denn die Architektur von Gehirnen bestimmt? Zunächst ist dies die Evolution. Unsere Gehirne sind alle relativ ähnlich, weshalb wir uns auch leicht darüber einigen können, was ein Objekt ist, wie eine Kerze aussieht und so weiter. Das liegt daran, daß wir nach den gleichen Kriterien vorgehen, weil wir die gleichen Architekturen haben. Die Evolution kann also als ein kognitiver Prozeß verstanden werden. Es haben sich über Versuch und Irrtum Hirnarchitekturen herausgebildet, die Wissen über die Verfaßtheit von Welt in sich tragen, und es haben sich auch Programme herausgebildet, die an diese vorgefundene Welt angepaßt sind. Dieses Vorwissen, zusammen mit den Programmen, befähigt uns, Interpretationen zu erstellen, die wir für stimmig halten, über die wir uns einigen können, weil unsere Architekturen so ähnlich sind. Die Macht dieses Wissens kann gar nicht groß genug bewertet werden. Es handelt sich dabei um sogenanntes implizites Wissen, denn keiner von uns war dabei, als im Laufe der Evolution dieses Wissen durch Interaktion mit der Umwelt aufgenommen und in den Genen abgespeichert wurde. Jedes Mal, wenn ein neues Individuum auf die Welt kommt, wird dieses Wissen erneut in Hirnarchitektur exprimiert. Wir haben dieses Wissen, wir ahnen nicht, daß wir es haben, und es ist uns deshalb Überzeugungswissen. Wir lassen nicht mit uns darüber diskutieren, was ein Objekt ist. Das Regelwerk ist vorgegeben. Dennoch kann man durch Experimente, die ich Ihnen hätte zeigen können, hätte ich eine Leinwand…, sehr überzeugend beweisen, daß Sie dieses Wissen nutzen, um Wahrnehmungsprobleme zu lösen, ohne sich dessen gewahr zu sein. Das Gehirn rechnet sehr komplizierte Verhältnisse aus, um Ihnen das zu präsentieren, was Sie zum Schluß wahrnehmen und, man kann an einer Fülle von Täuschungen zeigen, daß diese Rekonstruktion auch zu Fehlinterpretationen führen kann. Normalerweise haben diese Berechnungen natürlich wichtige Funktionen, z.B., um Helligkeitswerte konstant zu halten, um Farben konstant zu halten, trotz unterschiedlicher Beleuchtung. All dies ist wichtig, um zu überleben und all dies ist nicht tauglich, um die Welt so zu erfassen, wie sie möglicherweise wirklich ist.

Es gibt eine zweite Wissensquelle, die oft unterschätzt wird. Das menschliche Gehirn entwickelt sich von der Geburt bis etwa zum zwanzigsten Lebensjahr. Es werden zwar keine neuen Nervenzellen geboren, jedenfalls nicht in wesentlichem Umfang – aber sehr viele Nervenzellen beginnen erst nach der Geburt, miteinander Kontakte aufzubauen. Und nun folgt ein wichtiger Prozeß, der uns, wie gesagt, bis zum zwanzigsten Lebensjahr begleitet. Es werden mehr Verbindungen hergestellt, als letztlich gebraucht werden, und es werden in dem Maße, wie neue Verbindungen gebildet werden, bestehende Verbindungen wieder abgebaut und zwar irreversibel. Die Auswahl, welche Verbindungen bleiben und welche gelöst werden, wird durch neuronale Aktivität getroffen. Es folgt dies einer relativ einfachen Selektionsregel, die Angelsachsen sagen „Neurons wire together if they fire together“, also Verbindungen zwischen Nervenzellen, die häufig zeitgleich erregt werden, bleiben erhalten, Verbindungen zwischen Nervenzellen, die asynchron erregt werden, gehen zu Grunde und zwar irreversibel. Dieser Prozeß erfolgt unter der Einflußnahme von Erfahrung, weil jede Interaktion mit der Umwelt die neuronale Aktivität moduliert. Somit werden unsere Hirnarchitekturen durch Erfahrung, durch Interaktion mit Umwelt modifiziert. Das genetisch vorgegebene Repertoire wird spezifiziert und umgebaut, bis dann zum Schluß beim Erwachsenen eine Architektur auskristallisiert, die dann nicht mehr veränderbar ist.

Ein wichtiger Aspekt der erfahrungsabhängigen Entwicklung ist, daß die Prägungsprozesse sich zu unterschiedlichen Zeiten in unterschiedlichen Hirnregionen ereignen und sogenannte kritische Phasen durchlaufen. Wenn während dieser kritischen Phasen die Informationen, die erforderlich sind, um die funktionelle Architektur auszubilden und an die Welt anzupassen, nicht verfügbar sind, dann können die entsprechenden Funktionen nicht in Architektur übersetzt werden. Es kommt zu Defiziten und diese werden irreversibel, wenn die Fenster der kritischen Entwicklungsphasen sich schließen. Dann können keine neuen Fortsätze, keine Verbindungen mehr auswachsen, und auch die Vernichtung von überflüssigen oder störenden Verbindungen ist nicht mehr möglich.

Dieses Lernen durch Erfahrung, vor allem während der frühen Entwicklung, führt ebenfalls zur Aufnahme von implizitem Wissen. Vieles von dem, was Sie als Kind gelernt haben, bis etwa zum vierten, fünften Jahr, hat die funktionelle Architektur des Gehirns verändert. Sie wissen aber nicht, daß Sie das gelernt haben, weil Sie in dieser Zeit noch kein sogenanntes episodisches Gedächtnis ausgebildet haben. Kinder lernen, aber sie können den Kontext nicht erinnern, in dem sie gelernt haben. Auf diese Weise wird das, was sie gelernt haben, implizites Wissen, wird Überzeugungswissen, das nicht relativiert werden kann. Und wir diskutieren zur Zeit sehr aufmerksam, ob nicht ein Problem der interkulturellen Konflikte, die wir im Augenblick haben, auf diese impliziten Prägungen zurückzuführen ist. Daß also auf Grund dieser frühen Prägungen, die unter kulturellem Einfluß erfolgen, implizites Wissen in die Gehirne gerät, welches genauso wie das evolutionär erworbene Wissen festlegt, wie diese Personen, sprich diese Gehirne, die Welt wahrnehmen. Wenn diese Prägungen idiosynkratisch sind, dann ist zu erwarten, daß zwei Individuen, die in unterschiedlichen Kulturkreisen aufgewachsen sind, das Gleiche sehr unterschiedlich wahrnehmen werden. Vor allen Dingen, wenn es sich um komplexere, soziale Bezüge handelt und diese in der Kindheit verschieden waren. Nur läßt sich darüber dann nicht diskutieren, weil keiner den anderen davon überzeugen kann, daß er Recht hat, weil jeder Recht hat – für sich. Wenn man das erkannt hat, dann kann man vielleicht auch daraus politische Schlußfolgerungen ziehen, um Koexistenz zu erleichtern.

Wie sehr sich kulturelle Konzepte unterscheiden können, habe ich vor kurzem erlebt. Ich war in Indien und Dharamsala, um mit dem Dhalai Lama und seinen Mönchen zu diskutieren über die Frage des verantwortlichen Ich. Es stellte sich heraus, daß die Definition des Ich, und die Selbsterfahrung als autonomer Agent, in diesem Kulturkreis anders ist als bei uns, die wir das Individuum in seiner unbeschränkten Autonomie für alles verantwortlich zu machen neigen. Probleme, die uns das bereitet, etwa bei der Diskussion um Willensfreiheit, sind dort überhaupt nicht nachvollziehbar. Das Problem existiert nicht, und wir hatten kaum die Möglichkeit, uns darüber zu verständigen, daß wir da ein Problem haben. Das als Beispiel.

Und dann gibt es natürlich noch eine dritte wichtige Wissensquelle – und das ist der normale Lernprozeß. Er beruht darauf, daß die bereits bestehenden Verbindungen, die nach Ablauf der Entwicklungsphasen nicht mehr in großem Maße modifizierbar sind, in ihrer Wertigkeit verändert werden können, verstärkt oder abgeschwächt .

Über die konservative Natur der Evolution habe ich schon gesprochen. Vielleicht noch eine Randbemerkung dazu. Unsere sehr weit zurückliegenden Vorfahren, in dem Fall spreche ich von einer Meeresschnecke, die ich Ihnen gerne gezeigt hätte, haben bereits viel über die Welt gelernt, z.B. über die Bedeutung von Kontingenzen, über Kausalbeziehungen also. Sie haben erfahren, daß zwei Ereignisse, die gleichzeitig passieren, mit großer Wahrscheinlichkeit zusammengehören oder, wenn Ereignis A kurz vor Ereignis B erfolgt, daß A wahrscheinlich die Ursache von B war. Diese sehr wichtigen Zusammenhänge wurden schon von der Schnecke rezipiert und fanden entsprechend früh ihre molekulare Realisierung. Die Lernmechanismen von Zellen werden von molekularen Prozessen getragen. In sie ist schon eingeschrieben, daß man, wenn etwas fast gleichzeitig passiert, es miteinander in Verbindung bringt. Die Verbindungen zwischen Neuronen, die gleichzeitig aktiv sind, werden verstärkt. Auf diese Weise werden Assoziationen gelernt und z.B. bedingte Reflexe installiert. Die gleichen molekularen Mechanismen, die schon die Schnecke hat, in denen Wissen über die Welt niedergelegt ist, finden sich in der Großhirnrinde des Menschen wieder und in allen anderen Hirnstrukturen, die wir zum Lernen brauchen. Also, was die Schnecke darüber gelernt hat, wie man Kontingenzen bewertet, das haben wir auch noch molekular implementiert, und deshalb ziehen wir die gleichen Schlußfolgerungen. Offenbar sind sie sinnvoll und haben sich bewährt.

Der kleine Unterschied

Es gibt einen zweiten Aspekt, der mit der konservativen Natur der Evolution zu tun hat und den ich besonders faszinierend finde. Seit der Entwicklung der Großhirnrinde – also jenes Mantels von Zellen, der die beiden Gehirnhälften überwölbt, eine 2 mm dicke Gewebsschicht, die in einem Kubikmillimeter etwa 60.000 Zellen beherbergt, von denen jede einzelne mit 10.000 – 20.000 anderen Kontakt hat – gab es keine neuen Strukturen mehr. Diese Struktur hat sich bei niedrigen Werteapparaten zum ersten Mal herausgebildet und dann einen unglaublichen Siegeszug angetreten. In der Folge gibt es nur mehr vom Gleichen, und zwar insbesondere mehr Großhirnrinde plus der Servicestrukturen, die sie benötigt, um richtig arbeiten zu können. Das heißt also, daß alles das, was uns als kulturfähige Wesen von unseren nächsten nicht kulturschaffenden Nachbarn unterscheidet, auf der quantitativen Vermehrung von Großhirnrinde beruhen muß, weil nichts anderes hinzugekommen ist. Ein typischer Fall für einen Phasenübergang in einem komplexen System. Durch Erhöhung der Komplexität entstehen plötzlich neue Qualitäten.

Lassen Sie mich kurz skizzieren, was uns im wesentlichen von unseren nächsten Verwandten, den Menschenaffen, unterscheidet. Durch das Hinzukommen bestimmter Großhirnarealen ist es dem Menschen möglich geworden, Fähigkeiten zu entwickeln, die unsere nächsten Nachbarn noch nicht haben. Die Entwicklung dieser Fähigkeiten beruht im wesentlichen darauf, daß Ergebnisse von Rechenoperationen, die in phylogenetisch alten Großhirnrindenbereichen erarbeitet werden, von den hinzugekommenen Bereichen erneut den gleichen Operationen unterzogen werden. Das heißt, erzielte Ergebnisse können wiederholt hirnrindenspezifischen Operationen unterzogen werden und diese Schlaufen werden mehrfach durchlaufen. Auf diese Weise sind offenbar Funktionen realisierbar geworden, die  nicht menschlichen Primaten fehlen. Wir können z.B. eine Theorie des Geistes aufbauen. Wir können uns vorstellen, was im Kopf des anderen vorgeht, wenn dieser sich in einer ganz bestimmten Situation befindet. Beispiel: Ich verstecke vor Ihren Augen den Löffel der Zeremonie unter dem Rednerpult. Nun bitten wir einen von Ihnen, den Raum zu verlassen und während er draußen ist, nehme ich den Löffel und stecke ihn mir wieder in die Tasche  und frage Sie dann, wo würde er suchen, wenn er wieder hereinkommt. Schimpansen, Menschen mit Autismus und Kinder bis zum vierten oder fünften Lebensjahr würden sagen, in der Tasche, weil sie dort den Löffel haben verschwinden sehen. Sie können keine Theorie des Geistes aufbauen und sich deshalb nicht vorstellen, daß der Mensch draußen nicht gesehen hat, daß ich den Löffel in die Tasche gesteckt habe, sondern nur weiß, daß er unter dem Pult war. Wenn man aber eine Theorie des Geistes aufbauen kann, dann würde man sagen, er würde natürlich unter dem Pult suchen, dort, wo er sah, daß der Löffel versteckt wurde.

Wir können also eine Theorie des Geistes aufbauen und diese Fähigkeit beruht mit Sicherheit auf der Zunahme von Großhirnrinde und iterativen Verarbeitungsprozessen. Dann vermögen wir intentional zu erziehen, was Tiere nicht können. Wir können unseren Nachkommen gezielt etwas durch Instruktion beibringen. Tiere können das nicht. Sie machen nach, was die Älteren tun, aber die Älteren kommen nicht auf die Idee, die Hand der Kleinen zu führen.

Wir haben ferner die Fähigkeit, sehr abstrakte Bezüge herzustellen zwischen Symbolen und auf diese Weise Sprache zu entwickeln. Dies hat natürlich weitreichende Konsequenzen, weil man zu Lebzeiten gewonnene Erfahrungen auf abstrakte Weise formulieren, anderen mitteilen und an die nachfolgende Generation weitergeben kann. Und dann gibt es zur Zeit noch eine Diskussion darüber, ob wir im Gegensatz zu unseren nächsten Nachbarn altruistischer sind  und ein besonders ausgeprägtes Empathievermögen haben.

Idiosynkrasien

Wie erwähnt, legen die durch Evolution, Prägung und Lernen ausgebildeten Architekturen fest, nach welchen sensorischen Kategorien wir die Welt erfassen. Und wir tun dies auf sehr willkürliche Art. Wir nehmen elektromagnetische Wellen von 400 bis 700 Nanometer Wellenlänge als Licht wahr, weil unsere Fotorezeptoren darauf spezialisiert sind.  Wellenlängen über 750 Nanometer können wir nicht mehr sehen, aber wir empfinden sie als Wärme, weil wir dafür Wärmerezeptoren in der Haut haben. Das gleiche gilt für Vibrationen: Unter 15 Hertz ist das taktile System zuständig. Wir empfinden  Vibrationen und Erschütterungen. Über 15 Hertz schalten sich die Ohren ein, und wir hören Töne. Wir unterteilen also ganz willkürlich physikalische Kontinua so, wie es uns zum Überleben dienlich war. Das ist mit einer objektiven Darstellung der Welt natürlich nicht vereinbar. Ich hatte über die relative Willkür der Objektdefinition gesprochen. In der Quantenwelt wäre diese Definition sinnlos. Sie gilt nur für die mesoskopische Welt. Ich hatte auch über die spezielle Art von Lernregeln gesprochen. Besonders nachdenklich sollte stimmen, daß es auch sein kann, daß die Regeln des logischen Schließens, die wir für absolute halten, möglicherweise auch angepaßte Regeln sind und es vorstellbar ist, daß es auch andere Arten, logische Schlüsse zu ziehen, geben kann. Tatsächlich gibt es Hinweise dafür, daß bestimmte Prozesse in unserem Gehirn, und zwar die unbewußten, bei der Abwägung der Güter und bei dem Finden von Entscheidungen nach anderen Regeln operieren, als die bewußten rationalen Entscheidungsstrategien. Gelegentlich führt das zu Konflikten, wie Sie alle wissen. Man sagt dann, ich habe mich nach rationalen Gesichtspunkten entschieden, aber irgend etwas stimmt da nicht.

Die schwierigsten Fragen: Das Leib-Seele-Problem

Wenden wir uns nun dem schwierigsten aller Probleme zu: dem Leib-Seele-Problem. Ich will gleich vorausschicken, daß wir keine wirklich befriedigende Antwort auf die Frage haben, wieso uns aus der Ersten-Person-Perspektive die Ergebnisse von Rechenprozessen, die im Gehirn ablaufen als Gefühle, als Qualia erscheinen, die wir nicht objektiv fassen können. Wir bezeichnen die zugrundeliegende Fähigkeit als phänomenales Bewußtsein, als die Fähigkeit, sich dessen gewahr sein zu können, was im eigenen Gehirn abläuft. Es scheint, als würde diese Fähigkeit dadurch in die Welt gekommen sein, daß auf Grund der Vermehrung von Großhirnrindenarealen, und der iterativen Bearbeitung von Inhalten, Meta-Repräsentationen gebildet werden. Also, Repräsentationen von Repräsentationen. Hirninterne Prozesse würden dann nach den gleichen Prinzipien repräsentiert wie Umweltvorgänge in den sensorischen Zentren. Über diese Wiederholung kognitiver Operationen würden die entwickelten Gehirne in die Lage versetzt, über die Abläufe in ihrem Innern Protokoll zu führen und sich dieser gewahr zu werden. Hirninterne Prozesse werden also selbst zum Gegenstand von kognitiven Operationen. Es bleibt dies eine sehr unbefriedigende Erklärung, denn wir haben es mit einem der schwierigsten philosophischen Probleme zu tun. Es ist dies auch eines der größten Hindernisse bei dem Versuch, Brücken zu schlagen zwischen den Welten, die von Geistes- und Humanwissenschaftlern beschrieben werden und den Welten, die Naturwissenschaftler erforschen. Beide Beschreibungssysteme thematisieren Realitäten. Es steht außer Frage, daß diese mentalen Phänomene real sind, daß sie unsere Welt bestimmen. Der Glaube an spirituelle Mächte hat uns dazu gebracht, Kathedralen zu bauen. Auch unsere Moral- und Wertsysteme bestimmen unser Verhalten nachhaltig. Diese sozialen Realitäten müssen als Realitäten gesehen werden, auch wenn sie immateriellen Charakter haben. Vermutlich liegt das Problem darin, daß diese sozialen Realitäten, diese nicht faßbaren immateriellen im Dazwischen liegenden Realitäten, erst entstanden sind, als Gehirne mit den eben besprochenen kognitiven Leistungen den Dialog aufgenommen haben, als sie begannen, sich zu sagen: Ich weiß, daß Du weißt, daß ich weiß, was Du fühlst. Auf Grund solcher Dialoge kamen Kommunikationsprozesse in Gang, die nicht nur zur kulturellen Evolution geführt haben, sondern auch zur Emergenz, also zum Entstehen von Realitäten im Dazwischen, Realitäten, die wir thematisieren können, für die wir Worte gefunden haben, weil wir sie als real empfinden und dazu gehört eben auch alles, was wir als das Seelische, das Geistige ansprechen. Es sind dies offenbar Realitäten, die im interpersonellen Diskurs, im Zwischenmenschlichen entstanden sind, die eine gesellschaftliche Interaktion voraussetzen, als real erfahren werden, aber zu ihrer Darstellung anderer Beschreibungen bedürfen als jene, mit denen die Prozesse im Gehirn beschreibbar sind, jene Prozesse, die letztlich diese neuen Realitäten hervorgebracht haben. Es handelt sich also um ein Phänomen, das für komplexe Systeme typisch ist: Es gibt Phasenübergänge, die zu neuen Qualitäten führen. Die ohnehin komplexen Gehirne verkoppeln sich und bringen so noch komplexere, in diesem Fall soziale Systeme hervor, die wiederum neue Phänomene und Qualitäten in die Welt bringen.

Ich erspare Ihnen jetzt die Ausflüge in die Techniken, mit denen wir ergründen, wie Hirnprozesse mit Hirnleistungen korrelieren. Man kann heutzutage am wachen gesunden Probanden oder am Patienten sehr gut nachvollziehen, was sich im Gehirn ereignet, wenn sich jemand etwas vorstellt. Faszinierend ist dabei, daß Vorstellungen fast mit den gleichen Aktivitäten verbunden sind wie die Wahrnehmung selbst. In letzterem Fall werden nur wenige Areale zusätzlich aktiv. Auch läßt sich verfolgen, was im Gehirn passiert, wenn jemand halluziniert. Dann werden just die gleichen Regionen aktiv, als wenn das, was halluziniert wird, tatsächlich vorhanden ist und wahrgenommen wird. Deshalb können die Patienten Vorstellung und Wirklichkeit nicht mehr voneinander unterscheiden. All dies weist darauf hin, daß alle mentalen Prozesse auf Hirnprozessen beruhen und daß wir unsere Wirklichkeiten, materielle wie immaterielle, konstruieren.

Die Konstitution des Ich

Nun, wie verhält es sich mit der Verfaßtheit des Ich? Wie läßt sich das Selbst definieren und neuronal erklären? Es stellt sich unter anderem die Frage, wo die vielen Verarbeitungsergebnisse, die im Gehirn parallel erzielt werden, so zusammengefaßt werden, daß kohärente Interpretationen möglich werden. Um das Problem faßbar zu machen, muß ich vorausschicken, daß Gehirne in hohem Maße distributiv organisiert sind. Wir haben etwa 120 verschiedene Hirnrindenareale und diese arbeiten alle an verschiedenen Aufgaben. Wir haben allein 30 Areale, die sich mit dem Sehprozeß befassen. Die einen interessieren sich für Farben, die anderen für Texturen, die dritten für Bewegung und die vierten für den Ort im Raum eines Gegenstands und so weiter. Das gleiche gilt für die anderen Modalitäten.

Wenn wir uns die Frage nach der Verfaßtheit des Ich aus der Ersten-Person-Perspektive stellen, dann kommen wir zu einem Schluß, der in krassem Widerspruch zu dem steht, was die Hirnforschung zu Tage fördert. Ist es nicht so, und ich glaube, da spreche ich in Ihrer aller Namen, daß unsere Introspektion, aber auch die Beobachtung des jeweiligen Gegenüber uns nahe legt, daß es irgendwo in unserem Gehirn ein Zentrum geben müsse, wo alle Informationen zusammenlaufen und das wäre dann der Ort, wo einheitliche Interpretationen der Welt möglich werden. Das wäre der Ort, wo entschieden wird. Das wäre der Ort, wo geplant wird und das wäre auch der Ort, wo das selbstbestimmte Ich seinen Platz haben muß, das bewertet, koordiniert, initiiert und kreativ ist. Die Hirnforschung entwickelt aber ein völlig anderes Bild von der Verfaßtheit des  Organs, in dem das Ich sich konstituiert. Wir sehen eine Fülle von Arealen, die alle unterschiedliche Funktionen erfüllen, dies gleichzeitig tun und eng miteinander vernetzt sind, so ungefähr wie das Internet. Ich hätte Ihnen den Schaltplan zeigen können, er sieht aus wie ein Wollknäuel oder ein komplexes U-Bahnsystem, wo Sie mit zwei-, dreimal Umsteigen überall hinkommen. Aber es gibt nirgendwo ein Zentrum, es gibt nirgendwo eine übergeordnete Konzernzentrale, keinen pyramidalen Aufbau. Wir haben es mit einem parallel strukturierten System zu tun, in dem vieles gleichzeitig passiert und nirgendwo zusammenkommt. Wenn Sie einen bellenden Hund vor sich sehen und sein Fell streicheln, dann sind in Ihrem Gehirn fast alle sensorischen Areale gleichzeitig aktiv. Sie decodieren die Textur des Felles, die Samtheit, Sie decodieren das Gebell, Sie erkennen das Ganze als Hund über das Sehsystem, und dann haben Sie noch Areale des limbischen Systems, die emotionale Koalitionen hinzufügen, die signalisieren, daß der Hund sehr gutmütig ist und man keine Angst vor ihm haben muß etc. Nirgendwo im Gehirn ist ein singulärer Ort, an dem dieses Perzept des bellenden, samtigen, friedfertigen Hundes repräsentiert wäre. Die Repräsentation dieses Wahrnehmungseindrucks ist vielmehr ein sehr, sehr komplexes raumzeitliches Erregungsmuster, das sich zudem auch noch in der Zeit verändert und nicht wirklich verortbar ist. Wenn Sie etwas anderes wahrnehmen, wird es in einem anderen raumzeitlichen Muster ausgedrückt. Diese Organisation stellt ein ganz, ganz großes Koordinierungsproblem dar. Nehmen wir Nervenzellen, die für Schwarz kodieren. Um einen schwarzen Wagen zu kodieren, der gerade vorbeifährt, müssen diese in ein Ensemble von Nervenzellen zusammengebunden werden, deren Aktivierungsmuster diesen Wagen kodiert. Nun wenden Sie Ihren Blick in den Himmel und richten den Blick auf einen schwarzen Raben. Nun müssen die „Schwarzneuronen“ mit ganz anderen Neuronen rekombiniert werden, um den Raben zu kodieren. Es muß also zu jedem Zeitpunkt genau festgelegt sein, welche Neurone miteinander kooperieren, um einen bestimmten Inhalt zu repräsentieren. Die Neuronen müssen mit Ihrer Aktivität ausdrücken: 1. daß das Merkmal, für das sie kodieren, vorhanden ist und 2., mit welchem anderen sie gerade gemeinsame Sache machen. Eine Hypothese, die wir in Frankfurt verfolgen und die auch Andreas Kreiter – der heute abend hier ist, und in Bremen unter seinen Gegnern leidet – sehr intensiv untersucht, geht davon aus, daß die Signatur der Zusammengehörigkeit in der präzisen Synchronisationen der Entladungsmuster liegt. Die neuronalen Antworten oszillieren in unterschiedlichen Frequenzen und diese Oszillationen können zeitlich mit Millisekundenpräzision synchronisiert werden. Die Vermutung ist, daß diese Synchronisation dazu führt, daß andere Strukturen des Gehirns diese Ensembles als jeweils zusammengehörig erkennen. Es handelt sich dabei um sehr komplexe, dynamische Vorgänge, die schwer zu analysieren sind. Die Repräsentationen von Inhalten im Gehirn haben also eine andere Struktur, als wir sie uns vorstellen. Es handelt sich um abstrakte, dynamische, raumzeitliche Muster, an deren Ausbildung sich jeweils eine sehr große Zahl von räumlich verteilten Neuronen beteiligt. Ohne verortbar zu sein, konstituiert sich auch das bewußte Selbst in diesem Netzwerk.

Das Bindungsproblem und klinische Implikationen

Lassen Sie mich abschließend die Frage diskutieren, wozu diese Untersuchungen, die zunächst wie zerebrale Gymnastik anmuten, nutzen können. Hier kommen zwei Hypothesen zusammen, die ich noch schnell mit Ihnen durchgehen will, und dann erlöse ich Sie. Zum einen ist da die Hypothese, daß die Koordination distributiver Prozesse im Gehirn über präzise Synchronisation oszillatorischer Signale erfolgt. Zum anderen liegt die Vermutung nahe, daß das Krankheitsbild der Schizophrenie mit Bindungsproblemen zu tun hat. Schon die klassische Literatur geht von der Hypothese aus, die Schizophrenie sei einer Erkrankung, die es schwierig macht, das Richtige mit dem Richtigen zu verbinden. Das, so die Annahme, sei der Grund für dissoziative Denkstörungen und dies sei auch der Grund für die unlogischen  und nicht nachvollziehbaren Assoziationen, die von schizophrenen Patienten gebildet werden. Wenn man also die Hypothese verfolgt, Bindungsprobleme würden durch Synchronisationen von oszillatorischer Aktivität gelöst, dann stellt sich die Frage, ob bei schizophrenen Patienten das Synchronisationsverhalten von Neuronenpopulationen gestört ist, ob sie oszillieren können, wie schnell sie oszillieren können und, ob sie vor allem gut synchronisieren können. Und tatsächlich zeigen jüngste Studien, daß diese Funktionen gestört sind. Schizophrene Patienten sind nicht in der Lage, die hohen Oszillationsfrequenzen zu erzeugen, die Gesunde erreichen können und sie sind vor allem defizitär in ihrem Vermögen, diese Oszillationen über größere Entfernungen hin zu synchronisieren. Nun also kann man damit beginnen, gezielt nach Mechanismen zu suchen, weil man schon sehr viel weiß über die neuronalen Prozesse, die zu Oszillationen führen und zu Synchronisation. Es kann also sein, daß etwas, was zunächst als sehr exotisch anmutet und nur im Kontext von Grundlagenforschung zunächst von Interesse war, auf kurzem Wege nicht nur für diagnostische Zwecke verwendet werden kann, sondern auch zu neuen Therapieverfahren führen wird. Und noch eine Bemerkung zur Schizophrenie. Es ist sehr auffällig, daß diese Erkrankung zum Ende der Hirnreifung auftritt, am Ende der Pubertät, kurz bevor das System auskristallisiert. Wir haben deshalb untersucht, wie sich Oszillations- und Synchronisationsvermögen im Laufe der Entwicklung verändern. Wir untersuchten Kinder und Jugendliche zwischen 6 und 18 Jahren und erhielten interessante Befunde, die viele Eltern, die pubertierende Kinder gehabt haben, intuitiv sofort einordnen können. Es entwickelt sich – wie man erwarten würde – das Gehirn von 6-jährigen Kindern sehr schnell; die Oszillationsfrequenzen nehmen zu und auch die Phasensynchronisation wird immer besser. Wir hatten eigentlich erwartet, daß sich dieser Prozeß kontinuierlich bis ins Erwachsenenalter fortsetzt. Aber nein, mit Beginn der Pubertät bricht vieles vom Erreichten wieder zusammen, das Netzwerk, das sich bereits ausgebildet hat, verändert sich, die Oszillationsfrequenzen sinken ab und die Synchronisation wird schlechter. Zur gleichen Zeit werden auch die kognitiven Leistungen der Kinder schlechter. Eltern und Lehrer wissen das, es wird manchmal schwierig mit den Kindern. Aber dann rekonfiguriert sich das ganze System ab dem 15.-16. Lebensjahr. Die Oszillationsfrequenzen werden sehr hoch und die Synchronisation wird sehr präzise. Offenbar verläuft diese zweite Entwicklungsphase bei Menschen, die schizophren werden, nicht normal ab, und vielleicht ist dies Grund dafür, daß diese Krankheit in dieser späten Phase auftritt.

Mit diesem Ausblick möchte ich Sie jetzt erlösen. Ich hoffe, wir diskutieren jetzt noch und haben ein bißchen Zeit dafür. Darauf freue ich mich am meisten.

Vielen Dank für Ihre Geduld.

163. Zusammenkunft am 6. Juni 2007 im Schloss der Markgrafen von Baden in Salem am Bodensee

Grußwort – Ministerpräsident Günther H. Oettinger

Meine sehr geehrten Herren,

es ist mir eine große Freude, Sie im Namen der Landesregierung von Baden-Württemberg als eine ehrbare, hochrangige und sympathische Versammlung hier im Linzgau in Salem am Bodensee, einem wunderbaren alemannischen Kulturraum, begrüßen zu dürfen. Das Bremer Tabak Collegium hat ein Ansehen weit über Deutschland hinaus. Einige Baden-Württemberger sind regelmäßig zu Gast bei Ihnen und es ist auch für mich eine Ehre, zu Gast in Ihrem Kreis zu sein. Ich wünsche Ihnen in Salem zunächst einen guten Aufenthalt in historischen Gemäuern, einem Kloster, einem herausragenden Denkmal von Kirche und Monarchie, einem Ort der Bildung  und der Kultur, einem Ort auch, der die Geschichte von Baden und Württemberg verkörpert wie wenige andere.

Hast habe ic eine Nachricht vor allem für die Bremer unter Ihnen. Im Länderspiel zur EM-Qualifikation Deutschland gegen die Slowakei in Hamburg hat Miro Klose soeben, als ich aus dem Auto ausstieg, das 1:0 gemacht. Und wenn wir heute gewinnen, sind wir praktisch im nächsten Jahr in Österreich und der Schweiz dabei. Dann hat man mit einem Wohnsitz in Baden-Württemberg die beste Nähe zu fast jedem Spiel über den Bodensee hinweg. Das Klose in den letzten Bundesligaspielen versagte und der VFB Stuttgart Meister geworden ist und jetzt trifft, das ist eine ideale Arbeitsteilung, die ich aus unserer Baden-Württemberger Betrachtung sehr begrüße.

Meine Herren,

Baden-Württemberg war einstmals die Armuts- und Auswandererregion Europas. Das Land war zu arm, um die Menschen zu ernähren. Die Schwaben, die gehen mussten, weil Hunger die größte Not in der Familie war. Sie gingen entlang der Donau, nach Ungarn, Rumänien, Kroatien, Bulgarien, an die Wolga bis hin zum Schwarzen Meer, oder sie gingen über Bremerhaven nach Amerika. Ihre Zahl geht in die Millionen.

Dieses Land war nicht durch High-Tech und Industrie und Wohlstand geprägt – nein durch Armut, durch Auswanderung, und durch Machtlosigkeit. Als vor zweihundert Jahren Napoleon Europa mit Krieg überzogen hat und die Vorfahren der Königlichen Hoheit in Karlsruhe und die Herzöge von Württemberg in Ludwigsburg gefragt hat „Mit mir oder gegen mich ?“ da haben diese ihre – Entschuldigung – armselige Waffenkammer betrachtet und sie haben sich für Napoleon entschieden. Rund zwanzigtausend junge Männer  aus Baden und Württemberg zogen gegen Wien und gegen Berlin und gegen Moskau in den Krieg.

Zehn Jahre später wendete sich das Blatt. Das haben die Schwaben und Alemannen gerade noch rechtzeitig gemerkt, und sie zogen dann mit Preußen, Österreich und Russland gegen Napoleon. Andere Mächte haben über uns Schicksal gespielt. Wir waren Spielball mitten drin. Napoleon hat die Grenzen von Baden-Württemberg gezogen. Daß wir heute kein Kleinstaat – schon gar nicht ein Stadtstaat – sondern eine ansehnliche Mittelmacht, ein Land mit hinreichender Betriebsgröße geworden sind, das hat eindeutig mit Napoleon zu tun, mit einer monarchisch, diktatorischen Grenzziehung, in der Mannheim und Heidelberg, Vorderösterreich und Freiburg zu Karlsruhe, Hohenlohe, Franken, das Allgäu, Oberschwaben und den Bodensee, diese herrliche Landschaft, zu Württemberg zugeschlagen wwurden.

Jahrzehnte später haben wir mit Wien für die großdeutsche Lösung gegen Preußen gekämpft, ohne Erfolg. Und vier Jahre später durften wir mit Bismarck gegen die Franzosen in den Krieg ziehen, mit Erfolg. Dann wurden wir ein Teil des Deutschen Kaiserreichs. Ein Großherzogtum Baden in Karlsruhe, ein Königreich Württemberg in Stuttgart, aber immer noch relativ machtlos und klein. Und erst die letzten sechzig Jahre, die Jahre nach dem zweiten Weltkrieg haben aus Baden-Württemberg ein demokratisch stabiles, von den Nachbarn geachtetes und weltoffenes und wirtschaftlich erfolgreiches Land gemacht..

Erst die Entwicklung der letzten Jahrzehnte brachte uns die Innovation im Handwerk, mit der aus der Schwarzwalduhr die Elektrotechnik geworden ist, aus der Erfindung des Automobils durch Karl Benz und Gottlieb Daimler das Weltunternehmen DaimlerChrysler von heute, und mit Namen wie Bosch, Porsche, Maier und anderen hat Baden-Württemberg heute den besten Arbeitsmarkt in Deutschland mit aktuell nur 5 Prozent Arbeitslosigkeit, einem hohen sozialen Wohlstand mit kultureller Qualität und globaler unternehmerischer Wettbewerbsfähigkeit erreicht. Und diesem Anspruch stellen wir uns. Wir wollen in diesem Jahrhundert die beste ökonomische und kulturelle Region knapp vor den Bayern und vor anderen in Deutschland sein.

Dafür haben wir aber keine Bodenschätze. Außer durch den Weinbau können wir aus unserem Böden wenig herausholen. Gas, Öl und Eisenerze haben wir nicht. Wir haben dagegen – Friedrichshafen ebenso wie in Stuttgart oder  Mannheim – eine hohe industrielle Wertschöpfung. Wir haben einen intakten Mittelstand und wir haben Dienstleistungen von wachsendem Gewicht. Die Grundlage hierfür heißt Bildung, Forschung und Wissenschaft. Deswegen legen wir durch Reformen darauf Wert, daß die frühkindliche Bildung – der Kindergarten, der zur Kinderschule wird – die Schule, das berufliche Schulwesen und die tertiäre Bildung mit Exzellenz ein Ausweis, die Grundlage für anhaltenden ökonomischen sozialen Erfolg unseres Landes und unserer Kinder im Wettbewerb zu anderen Spitzenregionen sind.

Baden-Württemberg – ein Kollege von mir hat mir in einem Kamingespräch vor Jahren einmal gesagt, worum er uns beneide und er hat drei Faktoren genannt. Erstens, sagte der Kollege, ist Baden-Württemberg ein Land, das wie kein zweites Familienunternehmen von Welt hat. Unsere Stärke sind Familienbetriebe in der zweiten, dritten, vierten Generation mit Tradition, wie sie auch in Bremen üblich ist, und mit einer Weltmarktführung mit ihrem Produkt oder mit ihrer Nische. Namen wie Liebherr, Würth, Stihl, Trumpf stehen stellvertretend für viele andere. Familien mit einer unglaublichen Bindung und Treue zum Land. Zweitens, sagte der Kollege, er beneide uns wegen einer starken Bereitschaft zum Ehrenamt. Und auch dies stimmt. Wir haben tolle Menschen in Baden-Württemberg. Menschen, die sich – egal ob wirtschaftlich klein oder groß – einbringen. Denen der Sportverein, die Kirche, die Kultur, das Soziale, die Ökologie, die Nachbarschaft, die Gemeinschaft und die Betätigung im Ehrenamt wichtig sind. Menschen, die dafür sorgen, daß auch ohne Staatsquote das Gemeinwesen blüht und gedeiht. Und drittens, sagte der Kollege, daß in Baden-Württemberg immer noch drei von vier Einwohnern Mitglied einer großen christlichen Kirche sind – und auch das ist ein Ausweis von Grundwerten, von Treue, von Überzeugung, von gelebter christlicher Solidarität.

Ein vierter Faktor kommt hinzu, allerdings einer, auf den Sie hier heute abend verzichten. Der Wein ist in Baden, in Württemberg, am Bodensee, im Neckartal, oder im Rheintal sehr trinkbar geworden und hält Vergleichen mit dem Burgund, dem Pyrmont oder der Region Bordeaux durchaus stand. Wir haben hier eine Kultur mit Natur und Keller, von der Dorfwirtschaft bis zur Dreisterne-Gastronomie, eine hervorragende Lebensqualität.

Wo, meine Herren, sind die großen Herausforderungen, vor denen die Politik in Baden-Württemberg und bundesweit derzeit stehen ?

Ich glaube, wir müssen alles tun, daß die überraschende Phase eines starken wirtschaftlichen Wachstums nicht nur zwei Jahre anhält, sondern stetig werden kann. Ein Dach saniert man, wenn die Sonne scheint. Ich  habe Sorge, es geht der Wirtschaft und es geht den Steuereinnahmen fast zu gut. Aber Reformkräfte dürfen jetzt nicht  erlahmen und Tarifparteien dürfen nicht übermütig sein. Das heißt, wir müssen jetzt alles tun, daß mit anhaltender Bereitschaft zu Reformen im sozialen Bereich, beim Arbeitsmarkt, im steuerlichen Bereich und mit der Sanierung der Haushalte das gelingt, was Deutschland zehn Jahre in der Endphase bei Kohl und bei Rot-Grün nicht oder zu wenig gelungen ist. Die Haushaltssanierung muß ein Schwerpunkt sein. Wann, wenn nicht jetzt, kommen wir aus der Schuldenfalle heraus? Wir haben gegenüber unseren Enkeln nicht das Recht mehr auszugeben, als wir erwirtschaften. Wir müssen unsere Ausgaben durch Einnahmen aus Steuern und Abgaben, Beiträgen, und Gebühren – aber nicht durch neue Bankschulden finanzieren.

Baden-Württemberg wird durch einen konsequenten Sparkurs, der trotzdem kein Kahlschlag ist, und durch ein besonderes Wachstum in der Wirtschaft – im letzten Jahr 3,5 % – schon im nächsten Jahr erstmals ein Haushaltsjahr haben, bei dem die Einnahmen für die Finanzierung der Ausgaben ohne einen Euro neue Schulden ausreichen. Und ich fordere von jedem Land – auch von Bremen – ein, daß dieses allen zumutbar ist. Dem einen früher, dem anderen später. Bayern hat es schon vor einem Jahr erreicht. Aber zu sagen, daß man auf Dauer nicht mit dem auskommen kann, was man einnimmt, ist im Grunde genommen unmutig, unsolidarisch und ist im übrigen – Stichwort Länderfinanzausgleich – anderen Ländern unzumutbar.

Ich habe Respekt – und das meine ich ernsthaft – vor jeder Staatlichkeit und ich glaube nicht, daß die Länderneugliederung in unserer Generation kommen wird. Aber der kooperative Föderalismus muß kommen. Das heißt auch, daß man im Norddeutschen Rundfunk mit Radio Bremen noch mehr kooperiert. Daß man im Landesbankenwesen noch mehr gemeinsame Betriebsgröße sicherstellt, daß nicht jeder Staat eine eigene Obergerichtsbarkeit braucht, dass nicht jedes Land ein eigenes Kartellamt benötigt, sondern man sich mit Nachbarstaaten verbindet und arbeitsteilig kooperiert. Daß eine Hochschule in einem Fachbereich exzellent ist, und eine andere in einem anderen Fachbereich. Und daß man den Landeskindern zumuten kann, für den anderen Fachbereich in die zumutbare Nachbarstadt im Nachbarstaat zu gehen, halte ich sehr wohl für angezeigt.

Was die Wirtschaft im Strukturwandel sich in vielen Bereichen erfolgreich zugemutet hat, muß auch dem Staat und auch den Kommunen zumutbar sein. Wir stehen vor grundlegenden Beratungen für eine Föderalismusreform. Und neben Bürokratieabbau, neben der Neuordnung der Steuerarten muß das Thema Begrenzung der Verschuldung im Mittelpunkt stehen. Da muß jedes Land sagen, wann es erstmals und in der Regel ohne Schulden auskommen will. Und dann brauchen wir Leistungsanreize, damit auch die Tilgung der Altschulden gelingen kann.  In Deutschland haben heute der Bund, die Länder, die Kommunen, insgesamt 1.500 Milliarden € Schulden. Wenn wir dazu noch die Pensionszusagen, die wir einhalten müssen, addieren, wenn wir die Rentenansprüche, die kommen werden und die niemand in unserer demografischen Struktur demokratisch abschmelzen wird, addieren, dann kommen wir gut und gerne auf über 4.000 Milliarden € Gesamtverschuldung, die Deutschland sich in den letzten 60 Jahren  zugelegt hat. Ich sehe darin – neben dem Ziel mit mehr Wachstum und mehr Beschäftigung für alle zu erreichen – die entscheidende Aufgabe der nächsten Jahre in der deutschen Innenpolitik.

Schön, daß Sie nach Salem gekommen sind. Einer der wertvollsten Orte, den Baden-Württemberg zu bieten hat. Und ich grüße Königliche Hoheit ausdrücklich und freundschaftlich. Ich habe seine Tischrede vorab bekommen, und ich kann sie sowohl inhaltlich und im Forderungskatalog nachvollziehen. Im übrigen komme ich gerne bei Gelegenheit auf  alle die, die hierzu jetzt Bravo rufen, und auf ihre Spendenbereitschaft konkret zurück.

Der Übergang von Monarchie zu Demokratie war für alle Beteiligten nicht leicht. Im Jahre 1802 und 1806 und 1918 hat man in Württemberg eine relativ perfekte Buchhaltung aufgestellt und eine Trennungsrechnung gemacht. In Württemberg ist für jedes Schloß, für jedes Gut, für jedes Buch, für jeden Rebstock klar, wem er gehört. Die liberale Wesensart der Badener, die ich mag, hat eine solche Buchhaltung nicht, und hat viele Fragen nicht so eindeutig geklärt – und dies jetzt, 100 Jahre später, nachzuholen, ist eine kaum leistbare Veranstaltung.

Ich halte es für nicht nur legitim, sondern auch für angezeigt, daß der Generalbevollmächtigte des Hauses Baden Eigentumsrechte geltend macht. Das Recht auf Eigentum – Artikel 14 -ist und bleibt ein hohes Gut. Wir haben drei Jahre verhandelt und kamen zum Ergebnis, daß – da mag man noch so viele Gutachten quer lesen – die Eigentumsfrage nicht für jedes Buch, für jedes Gut, für jedes Schloß, für jeden Kunstgegenstand abschließend klärbar ist. Und wenn man etwas abschließend nicht klären kann, dann geht man am besten nicht vor Gericht, sondern man sucht einen gerechten Vergleich. Ein Vergleichsentwurf liegt vor. Wir wollten ihn abschließend und auch öffentlich diskutieren. Dabei haben wir und habe auch ich die Einschaltquote und die Stärke einiger Medien unterschätzt.

Meine Damen und Herren, diese große Zeitung aus Frankfurt, die liberal-konservativ ist, hat bei dem Thema eine gewaltige Kampagne entfacht. Die öffentliche Meinungsbildung war eindeutig. Ein Untersuchungsausschuß tagt im Landtag, und wenn ein Untersuchungsausschuß parlamentarisch die Fragen untersucht, hat die Regierung kein Handlungsrecht. Wir haben daher im Moment ein Handlung- und Entscheidungsmoratorium. Wir nutzen die Zeit und haben ein Expertenkuratorium von hochrangigen Professoren eingesetzt, die nochmals und abschließend versuchen, die Eigentumsfragen weitestgehend zu klären. Das Ergebnis wird im Herbst vorliegen, aber seien Sie versichert: wir haben seit Jahrzehnten zum Hause Baden eine freundschaftliche Beziehung. Unsere Regierungen sprechen die Vertreter des Hauses mit Königlicher Hoheit an, was den Grünen ein Spitzgras ist. Wir sind ausdrücklich stolz, daß das Land Baden-Württemberg zwei intakte monarchische Häuser als Namensgeber hat und in demokratischen Zeiten den Kontakt zu diesen Unternehmen auch pflegt. Andere, wie Hohenlohe , wie Fürstenberg, wie Waldburg-Zeil und viele andere mehr kommen hinzu, aber in demokratischen Abläufen sind die Spielregeln nicht ganz so leicht wie im Mittelstand wo das Familienoberhaupt als Patriarch entscheidet, was am nächsten Morgen produziert wird. Und deswegen gehen wir hier eine Gradwanderung, aber gehen Sie davon aus, wir wollen, daß das  Gut – das Kulturgut – das herausragende Denkmal Kloster/Schloß Salem in seiner Schönheit erhalten mit weiteren Sanierungsschritten für die nächsten Jahrhunderte gesichert und auch mit einer sinnvollen Nutzung verstärkt versehen werden kann.

Ich darf grüßen den örtlichen Abgeordneten Uli Müller, der ein langjähriger Landesminister war. Ich darf grüßen den Herrn Burgbacher, den liberalen Bundestagskollegen aus der Nachbarschaft. Ich grüße nochmals Sie alle, ein hochrangiges Gremium. Sie sind uns immer willkommen in Baden-Württemberg und ich lade Sie ausdrücklich ein, das der Zeitraum bis zu unserer nächsten Begegnung etwas kürzer ist als der von letzten Mal zu diesem Mal und ich wünsche Ihnen einen spannenden Vortrag, einen vergnüglichen Abend. Alles Gute für Ihren Aufenthalt in Baden-Württemberg, und vielen Dank für Ihre Geduld.

Dr. Konrad Adam
Berlin
Korrespondent, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Berlin
Mitglied ‚Kleines Gremium‘ des Bremer Tabak-Collegiums

Dr. Manfred Ahlsdorff
Ehrenpräsident
Die Unternehmensverbände im Lande Bremen e.V., Bremen

Dr. Helge Bernd von Ahsen
Teilhaber Fides Treuhandgesellschaft KG, Bremen
Vorsitzender des Vorstandes Wolfgang Ritter Stiftung, Bremen

S.K.H. Bernhard Erbprinz von Baden
Salem

S.G.H. Dr.-Ing. Leopold Prinz von Baden
Salem

S.G.H.Michael Prinz von Baden
Salem

Thomas Bagusch
Mitglied der Geschäftsführung
Nord Holding Unternehmensbeteiligungs-GmbH, Hannover

Klaus Barth
Rechtsanwalt und Notar
Sozietät Winter – Petzoldt – Barth – v. Einem, Bremen

Prof. Dr. Jürgen Becker
Stellv. Vorsitzender des Vorstandes
Gesellschaft für musikalische Aufführungs-
und mechanische Vervielfältigungsrechte – GEMA, München

René J. Becker
Schaffhausen
Präsident Eisener Holding AG, Hergiswil/Schweiz

Jürgen Bentlage
Mitglied des Vorstandes
Deutsche Schiffsbank AG, Bremen

Wilhelm von Boddien
Geschäftsführer
Förderverein Berliner Schloß e.V., Hamburg
Mitglied ‚Kleines Gremium‘ des Bremer Tabak-Collegiums

Dr. Volker Borkowski
Stellv. Vorsitzender  des Vorstandes
AVAG Holding Aktiengesellschaft, Augsburg

Prof. Dr. Clemens Börsig
Vorsitzender des Aufsichtsrates
Deutsche Bank AG, Frankfurt am Main

Marco Bremermann
Pers. haftender Gesellschafter
Müller & Bremermann GmbH, Bremen

Dr. Thomas Brinkmann
Rechtsanwalt, Partner
Dr. Schackow & Partner – Rechtsanwälte und Notare, Bremen

Lothar Broda
Vorsitzender des Vorstandes Kreissparkasse Tuttlingen, Tuttlingen

Jan-Dieter Bruns
Geschäftsführender Gesellschafter
Bruns-Pflanzen-Export GmbH & Co. KG, Bad Zwischenahn

Dr. Bernhard Bueb
Überlingen
ehem. Mitglied ‚Kleines Gremium‘ des Bremer Tabak-Collegiums

Ernst Burgbacher
Mitglied des Deutschen Bundestages, Berlin

Prof. Dr. Rudolf Burger
Ordinariat für Philosophie
Hochschule für angewandte Kunst Wien, Wien

Michael Conrad
Zürich

Theo Conrad
Geschäftsführender Gesellschafter
Coto San Jacinto – Bodega Conrad, Ronda/Spanien

Ulrich Cosse
Mitglied des Vorstandes
Bankhaus Neelmeyer AG, Bremen

Philipp Dalheimer
Regional Director
Kaefer International AG, Genf

Dr. Matthias Danne
Mitglied des Vorstandes
DekaBank Deutsche Girozentrale, Frankfurt am Main

Christian Dierig
Sprecher des Vorstandes
Dierig Holding Aktiengesellschaft, Augsburg

Dr. Maximilian Dietzsch-Doertenbach
Geschäftsführender Gesellschafter
Doertenbach & Co. GmbH, Frankfurt am Main

Prof. Dr. Dr. Rudolf Dolzer
Heidelberg
Vorstand des Instituts für Völkerrecht der
Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität, Bonn

Dr. Ralph Donath
Geschäftsführender Gesellschafter
Eugen Engert Beteiligungs GmbH & Co. KG, Minden

Dr. Christoph Graf Douglas
Frankfurt am Main

Leopold Graf von Drechsel
Geschäftsführer
Wimex Agrarprodukte Import und Export GmbH, Regenstauf

Wilhelm Dunst
Berlin

Rainer Effinger
Geschäftsführer
NORD KB Beteiligungsgesellschaft mbH, Hannover

Prof. Manfred Ernst, Senatsrat
Geschäftsführer
Flughafen Bremen GmbH, Bremen

Klaus Freytag, Senator E.h.
Vorsitzender der Geschäftsleitung
Siemens AG – Region Südwest, Stuttgart

Prof. Dr. Michael Fried
Klinikdirektor Universitätsspital Zürich, Zürich

Dr. Christof Fritzen
Head Corporate Secretariat
Deutsche Bank AG, Frankfurt am Main

Gerd W. Gossler
Generalbevollmächtigter Bremer Tabak-Collegium, Bremen
Mitglied ‚Kleines Gremium‘ des Bremer Tabak-Collegiums

Martin Grüner
Parlamentarischer Staatssekretär a.D., Berlin

Prof. Dr. Herwig Guratzsch
Vorstand und Leitender Direktor
Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen, Schleswig
Mitglied ‚Kleines Gremium‘ des Bremer Tabak-Collegiums

Dr. Christian Guthke
Celle

Hugo Habisreutinger
Geschäftsführer
Franz Habisreutinger GmbH & Co. KG, Weingarten

Dr. Gernot von Hahn
Mundelsheim

Prof. Henrik Rolf Hanstein
Pers. haftender Gesellschafter
Kunsthaus Lempertz, Köln

Hendrik Harms
Mitglied der Geschäftsführung
Deutsche Factoring Bank, Bremen

Ernst-Michael Hasse
Geschäftsführer Synflex GmbH & Co. KG, Lügde

Dr. Peter Haßkamp
Bremen
Member of the Board of Governors
Jacobs University Bremen, Bremen
Sprecher ‚Kleines Gremium‘ des Bremer Tabak-Collegiums

Josef Hattig, Senator a.D.
Vorsitzender des Aufsichtsrates
BLG Logistics Group AG & Co. KG, Bremen
ehem. Mitglied ‚Kleines Gremium‘ des Bremer Tabak-Collegiums

Stefan von der Heiden
Leiter der Hauptstadtrepräsentanz
British American Tobacco (Industrie) GmbH, Berlin

Thomas Hemmerich
Vorsitzender der Geschäftsführung
MAN Truck & Bus Deutschland GmbH, München

Dr. Ingo Hermann
Journalist, Berlin
ehem. Mitglied ‚Kleines Gremium‘ des Bremer Tabak-Collegiums

Prof. Dr. Manfred P. Heuser
München
Senior Vice President
Deutschsprachige Gesellschaft für Kunst
und Psychopathologie des Ausdrucks e.V., München

Peter Hoedemaker
Stellv. Vorsitzender der Geschäftsführung
Kaefer Isoliertechnik GmbH & Co., Bremen

Joachim Hoepp
Geschäftsführender Gesellschafter
Nanu-Nana – Einkaufs- und Verwaltungs-GmbH, Oldenburg

Markus Hofmann
Mitglied des Vorstandes
AVAG Holding Aktiengesellschaft, Augsburg

Dr. Jürgen Holstermann
Zahnarzt, Bremen

Prof. Dr. Dr. h.c. Peter Hommelhoff
Rektor
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, Heidelberg

Stephan Jender
Vorsitzender des Vorstandes
Lega AG, Bremen
Präsident Bundesverband Deutscher Inkasso-Unternehmen e.V.

Christoph Bernhard Kalvelage
Geschäftsführender Gesellschafter
Heidemark GmbH, Garrel

Jörg Kastendiek
Senator für Wirtschaft und Häfen
der Freien Hansestadt Bremen, Bremen

Carl Kau
Mitglied der Geschäftsleitung
Commerzbank AG Bremen, Bremen
Vorsitzender des Vorstandes Bankenverband Bremen e.V., Bremen

Dr. Bardia Khadjavi-Gontard
Rechtsanwalt, München

Michael Kleisli
Vorsitzender der Geschäftsführung
Pfister GmbH, Augsburg

Dr. h.c. Michael Klett
Vorsitzender des Vorstandes
Ernst Klett AG, Stuttgart

Dr. Jan Klingele
Geschäftsführender Gesellschafter
Klingele Papierwerke GmbH & Co. KG, Remshalden
Preisträger des Bremer Umweltpreises 2006

Dr. Martin Klinkhammer
Mitglied der Geschäftsleitung
Deutsche Bank AG Bremen, Bremen

Peter Kloess
Bremen
ehem. Mitglied Kleines Gremium des Bremer Tabak-Collegiums

Dr. Stephan Kloess
Delegierter des Verwaltungsrates
CUREM AG, Zürich

Joachim Knief
Partner
KPMG Deutsche Treuhand-Gesellschaft AG, Bremen

Harro G. Kniffka
Präsident des Verwaltungsrates
Hanseatic Lloyd AG, Bottighofen/Schweiz

Ralf J. Koch
Gesellschafter
Kaefer Isoliertechnik GmbH & Co., Bremen
Verwaltender Vorsteher Haus Seefahrt, Bremen

Ulrich Koerner
Chief Executive Officer
Credit Suisse Switzerland, Zürich

Ingo Köhler
Vorsitzender der Geschäftsleitung
Kellogg (Deutschland) GmbH, Bremen

Dr. Hans Peter Kolzen
Präsident
Industrie- und Handelskammer für den Elbe-Weser-Raum, Stade

Ingo Kramer
Präsident
Die Unternehmensverbände im Lande Bremen e.V., Bremen
Member of the Board of Governors, Jacobs University Bremen

Prof. Dr. Andreas Kreiter
Universität Bremen – Institut für Hirnforschung IV, Bremen

Matthias Kues
Sprecher der Geschäftsführung
Nord Holding Unternehmensbeteiligungs-GmbH, Hannover

Manfred Kuhr
Stellv. Vorsitzender des Vorstandes
BLG Logistics Group AG & Co. KG, Bremen

Stephan Kulenkampff
Rechtsanwalt
Sozietät Blaum – Dettmers – Rabstein, Bremen

Dr. Bernd Laber
Leiter Großkundencenter Südwest
Commerzbank AG, Stuttgart

Hagen Graf Lambsdorff, Botschafter a.D.
Berlin

Otto Lamotte
Geschäftsführender Gesellschafter
Henry Lamotte GmbH, Bremen
Vizepräses der Handelskammer Bremen

Hans-Dieter Lampe
Geschäftsführender Gesellschafter
Handelsgesellschaft Franz Kragh GmbH, Bremen
Mitglied ‚Kleines Gremium‘ des Bremer Tabak-Collegiums

Prof. Dr. Jon Largiadèr
Chirurgische Klinik im Park, Zürich

Dr. Frank Lebsanft
Geschäftsführer
PHOENIX Real Estate Development GmbH, Frankfurt am Main

Hans-Joachim Leister
Geschäftsführer
Universal Inkasso, Erkrath

Dr. Claus Liesner
Geschäftsführer
Verwaltung Hamburgischer Gebäude GmbH, Hamburg

Dr. Peter Linder
Sprecher des Vorstandes
Schwäbische Bank AG, Stuttgart

Dr. Thomas Lindner
Vorsitzender der Geschäftsführung
Groz-Beckert KG, Albstadt

Franz-Wilhelm Löbe
Leiter der Niederlassung Bremen
Siemens AG – Region Deutschland – Hanse, Bremen

S. D. Dr. Erich-Georg Prinz von Lobkowicz
Präsident
Deutsche Assoziation des Souveränen Malteser-Ritterordens, Altenahr

Henner Lothar
Mitglied des Verwaltungsrates
Hansealtic Lloyd AG, Bottighofen/Schweiz

Fritz Lütke-Uhlenbrock
Stellvertretender Vorsitzender  des Vorstandes
Bremer Landesbank, Bremen

Franz-Peter Marx, Rechtsanwalt
Geschäftsführer
Verband der deutschen Rauchtabakindustrie, Bonn

Dr. Klaus Meier
Geschäftsführender Gesellschafter
WPD GmbH & Co. KG, Bremen

Prof. Dr. Christoph Moench
Rechtsanwalt
Sozietät Gleiss Lutz, Berlin

Hans-Hermann Mohr
Chief Executive Officer
Senator Lines GmbH, Bremen

Ludolph Müller
Minitec Trading GmbH, Bremen

Ulrich Müller, Minister a.D.
Friedrichshafen
Mitglied des Landtages von Baden-Württemberg, Stuttgart

Jens Peter Neumann
Managing Director + Global Head of Capital Markets
Dresdner Kleinwort, Frankfurt am Main

Dr. Bruno Niemeyer
Geschäftsführer
J. Wagner GmbH, Markdorf

Wolfgang E. Nolting, Vizeadmiral
Inspekteur der Marine, Bonn/Berlin

Dr. Ulrich Nußbaum
Senator für Finanzen
der Freien Hansestadt Bremen, Bremen

Günther H. Oettinger
Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg, Stuttgart

Dr. Christian Ossig
Managing Director
Bank of America Germany, Frankfurt am Main

Dr. Dr. h.c. mult. Manfred Osten
Bonn
Generalsekretär der Alexander von Humboldt-Stiftung a.D.
Mitglied ‚Kleines Gremium‘ des Bremer Tabak-Collegiums

Prof. Dr. med. Christoph Ostertag
Ärztlicher Direktor Stereotaktische Neurochirurgie
Neurochirurgische Universitätsklinik, Freiburg/Br.

Dr. Andreas Penk
Vorsitzender der Geschäftsführung
Pfizer Pharma GmbH, Karlsruhe

Lutz H. Peper
Geschäftsführender Gesellschafter
Willenbrock Fördertechnik Holding GmbH, Bremen
Präses der Handelskammer Bremen

Bernd Petrat
Geschäftsführender Gesellschafter
Nordwest Industrie Holding GmbH, Hoya

Prof. Dr. Dieter Planck
Präsident
Landesamt für Denkmalpflege, Regierungspräsidium Stuttgart, Esslingen

Dieter Plate
Oberstudiendirektor
Leiter Internatsschule Stiftung Louisenlund, Güby

Dr. Dirk Plump
Geschäftsführender Gesellschafter
W. Tiemann GmbH & Co., Bremen
Vizepräses Handelskammer Bremen

Simon Reimer
Geschäftsführender Gesellschafter
BWG Reimer GmbH & Co. KG, Bremen

Tim Reiners
Mitglied des Vorstandes
Detlef Hegemann AG, Bremen

Dr. Thorsten Reitmeyer
Globalhead Private Banking
Commerzbank AG, Frankfurt am Main

Dr. Friedrich E. Rentschler
Vorsitzender des Aufsichtsrates
Rentschler Holding GmbH & Co. KG, Laupheim

Dr. Beat Renz
Rodersdorf

Hans Hermann Reschke
Stellv. Vorsitzender des Aufsichtsrates
B. Metzler seel. Sohn & Co. Holding AG, Frankfurt am Main

Hermann D. Reuscher
Bremen
ehem. Mitglied Kleines Gremium des Bremer Tabak-Collegiums

Prof. Dr. Dr. h.c. Jürgen Roth
Universität Zürich – Departement Pathologie, Zürich

Michael Rüdiger
Mitglied der Geschäftsleitung
Credit Suisse Private Banking, Zürich

Roland Freiherr von Saint André
Vorsitzender des Vorstandes
Ernst-Jakob-Henne-Stiftung, München

Prof. Dr. h.c. mult. Klaus Gerhard Saur, Senator E.h.
Geschäftsführender Gesellschafter
Walter de Gruyter GmbH & Co. KG, Berlin
Mitglied ‚Kleines Gremium‘ des Bremer Tabak-Collegiums

Nikolaus Schadeck
Partner
KPMG Deutsche Treuhand-Gesellschaft AG, Bremen

Stephan Schalk
Geschäftsführender Gesellschafter
Barth & Könenkamp Seiden GmbH & Co. KG, Bremen

Dr. Hans-Rüdiger Schewe
Präsident
Fürstlich Fürstenbergische Gesamtverwaltung, Donaueschingen

Prof. Dr. Rolf Schieder
Lehrstuhl Praktische Theologie/Religionspädagogik
Humboldt-Universität zu Berlin, Berlin
Sprecher des Forschungsbereiches Religion und Politik

Dr. Alfred Schmeding
Hofheim/Ts.
Vorstzender des Aufsichtsrates
Friedrich Schiefer Emissionshaus AG, Landshut

Norbert Schmelzle
Vorsitzender der Geschäftsführung
Kaefer Isoliertechnik GmbH & Co., Bremen

Dr. Ernst-Otto Schnell
Geschäftsführender Gesellschafter
KARL SCHNELL GmbH & Co. KG, Winterbach

Hans-Joachim Schnitger
Geschäftsführender Gesellschafter
Karl Geuther & Co. Holding GmbH & Co. KG, Bremen

Otto A. Schwimmbeck, Senator E.h.
Vorstand OAS AG, Bremen

Dr. Heinz Schwind
Mitglied der Geschäftsleitung
Bankhaus Carl F. Plump & Co., Bremen

Jeremy Scott
Director Deutsche Schiffsbank AG, Bremen

Prof. Dr.-Ing. Wilfried Sihn
Wimsheim
Vorsitzender der Fraunhofer-Projektgruppe
Für Produktionsmanagement und Logistik, Wien

Prof. Dr. Wolf Singer
Direktor
Max-Planck-Institut für Hirnforschung, Frankfurt am Main

Paolo Solari-Bozzi
Managing Director
Altium Capital AG, Zollikon/Zürich

Dr. h.c. Wolfgang Spindler
Präsident Bundesfinanzhof, München

Klaus Stapmans
Geschäftsführer
Peene-Werft GmbH, Wolgast

Wilfried Steffen
President and Chief Executive Officer
DaimlerChrysler UK Limited, Milton Keynes/UK

Albert C. Still
Mitglied des Vorstandes
AVAG Holding Aktiengesellschaft, Augsburg

Dr. Bernd Thiemann
Partner
Druecker & Co. GmbH & Co. KG, Frankfurt am Main

Prof. Dr. Joachim Treusch
Präsident
Jacobs University Bremen, Bremen

Werner Tybussek
EEW GmbH, Sindelfingen

Walter Vill
Geschäftsführer
Flughafen München GmbH, München

Heinrich Villiger
Präsident des Verwaltungsrates
Villiger Söhne AG, Waldshut-Tiengen

Prof. Dr. Wolfgang Wahlster
Mitglied der Geschäftsleitung
Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz GmbH, Kaiserslautern

Kurt Gerhard Waldthausen
Partner
Waldthausen & Associates Inc., Charlotte, North Carolina/USA

Dr. h.c. Peter Waskönig
Vorsitzender des Beirates
Waskönig + Walter Kabelwerk GmbH & Co. KG, Saterland-Ramsloh

Karl-Heinz Webersberger
Züst & Bachmeier Project GmbH
Internationale Spedition, Nürnberg

Dr. Karl-Heinz Weingärtner
Präsident
Verwaltungsgerichtshof  Baden-Württemberg, Mannheim

Andreas Wellbrock
Geschäftsführer
Dettmer Container Packing GmbH & Co. KG, Bremen

Dr. Patrick Wendisch
Geschäftsführender Gesellschafter
Lampe & Schwartze KG, Bremen
Mitglied ‚Kleines Gremium‘ des Bremer Tabak-Collegiums

Franz Josef Wiese
Director Corporate Banking
Landessparkasse zu Oldenburg, Oldenburg

Bernd Wilhelm
Vorsitzender des Aufsichtsrates
Kellogg (Deutschland) GmbH, Bremen

Dr. Kuno Wilhelm
Rechtsanwalt, München

Kurt Zech
Geschäftsführender Gesellschafter
Zechbau Holding GmbH, Bremen

Dr. Gebhard Zemke
Partner
BDO Deutsche Warentreuhand AG, Hamburg

Arthur J. Zimmermann
Mitglied des Vorstandes
Ernst Klett AG, Stuttgart

Dr. Matthias Zimmermann
Mitglied der Geschäftsführung
Weser-Wohnbau GmbH & Co., Bremen

Dr. Reinhard Christian Zinkann
Geschäftsführender Gesellschafter
Miele & Cie. KG, Gütersloh