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191. Zusammenkunft am 8. Juli 2021 Fliegerhorst Wunstorf

Sprecher des Collegiums

General a.D. Volker Wieker

Vortrag in der Collegiumsrunde

Botschafter Prof. Dr. h.c. Wolfgang Ischinger

Thema

„Eine handlungsfähigere Europäische Union – Schaffen wir das?“

191. Zusammenkunft am 8. Juli 2021 Fliegerhorst Wunstorf

Begrüßung
General a.D. Volker Wieker

Sehr geehrter, lieber Herr Botschafter Professor Ischinger,
sehr verehrte Damen,
meine Herren,

es ist mir eine große Freude, Sie heute im Namen des „Kleinen Gremiums“ zur 191. Zusammenkunft des Bremer Tabak-Collegiums im schönen Wunstorf begrüßen zu dürfen.

Nach nunmehr 10-monatiger Abstinenz – das letzte Mal waren wir im Schloss Altenburg – durch die pandemische Heimsuchung gleicht unser Treffen schon fast einer zaghaften Befreiung aus den Fesseln der wohl unerlässlichen Fremdbestimmung, – einhergehend mit Eingriffen, die selbst unsere persönliche Lebensführung nun schon so lange Zeit beschränken.

Allemal aber ist es schön, Ihr Antlitz wieder einmal „in natura“ und nicht mehr nur auf dem Bildschirm bewundern zu dürfen. Selbstredend vor der heimischen Ego-Wand, die hier und da sogar „Buchrückenattrappen“ und prominente Kunstfälschungen wieder stilbildend in Szene setzte.
Und natürlich mit „Schlips und Kragen“ vor der Kamera, während „darunter“ die Stachelbeerbeine in dekorativen Shorts „im Verborgenen“ den sommerlichen Temperaturen Tribut zollten.

Das gilt im Übrigen nur für die Herren, meine Damen; – daher freue ich mich als Angehöriger unserer langjährigen Männerbastion ganz besonders, dass auch Sie uns wieder beehren und unseren Kreis bereichern.
Das sage ich nicht zuletzt im Unterton einer kritischen Nabelschau, denn gerade in unserem vormaligen Männergesangverein empfinde ich Sie nicht nur als besondere Farbtupfer unseres eher uniformen Erscheinungsbildes; – vielmehr sind Alt und Sopran auch stimmlich jene Ergänzungen zu Bass und Bariton, die auch unsere thematischen Partituren in Zukunft noch etwas facettenreicher gestalten werden.

Der Anfang ist jedenfalls gemacht; – und so wollten wir auch im „Kleinen Gremium“ nicht zurückstehen und haben Sie, liebe verehrte Frau Kreuzgrabe, auf den Schild unserer „Generalbevollmächtigten“ gehoben.
Auf Mars folgt also Minerva und für Hans-Dieter Lampe folgt mit Goethe´s Worten „nach Jahren der Last nun die Last der Jahre“.

Ich will noch einfügen, dass wir natürlich gerade heute und über die kommende Tage bei Ihnen sind, da Sie gerade kürzlich Ihre Frau verloren haben.

Dennoch alle guten Wünsche für diese neue Epoche, lieber Herr Lampe, und herzlichen Dank für Ihre großartige Leistung.

Sehr verehrte Damen, meine Herren,
mit dieser kleinen Sentimentalität in eigener Sache möchte ich es dann auch schon bewenden lassen und komme nun zum eigentlichen Anlass unserer 191. Zusammenkunft.

Sie führt uns in das schöne Städtchen Wunstorf, mithin schon um 700 n.Chr. als „Worherestorpe“ erstmalig erwähnt.

Für die Seefahrer unter Ihnen erreicht man diesen Ort von Bremen über Weser, Aller, Leine und Westaue, – allerdings mit spürbar abnehmender Nutzlast bis schließlich zur Tonnage eines Torfkahns.

Die prominenten Logistiker unter Ihnen aber wissen natürlich auch um den schon 1842 errichteten „Inselbahnhof“ Wunstorf und die von Preußen und der Freien Hansestadt Bremen gemeinsam finanzierte Bahnstrecke Bremen-Wunstorf, die die bremischen Häfen mit Hannover, über Ost- und Süddeutschland bis nach Ost- und Südeuropa verbindet.

So eröffnet man eben Perspektiven, meine Damen und Herren, – dafür sind die Bremer bekannt -, und dennoch ist es nur die geographische Dimension dessen, was unser heutiger Festredner später im Kontext eines politischen Spannungsfeldes erörtern wird, – Europa, nicht mehr, aber auch nicht weniger – .

Aber wir wären natürlich nicht das Bremer Tabakcollegium, würden wir diese wahrlich anspruchsvolle Perspektive nicht aus einer soliden Bodenhaftung wählen.

Und die führt uns heute abseits der sonst präferierten Burgen und Schlösser nach Wunstorf, – direkt in den Maschinenraum der Luftwaffe.
Wir sind zu Gast in einem der modernsten Lufttransportgeschwader in Europa, dem ich von Herzen für die heute erwiesene Gastfreundschaft danke.

Man gewährt sie uns sprichwörtlich bei „laufendem Motor“, denn das Geschwader steht in seiner ganzen funktionalen Vielfalt – Transport von Mensch und Material, fliegende Intensivstation, Tanker und vieles mehr – seit Wochen unter Volllast im Einsatz und ich freue mich sehr, dass der Inspekteur der Luftwaffe, General Ingo Gerhartz, uns darüber noch ein wenig berichten wird.

Vielleicht vermittelt dieser unmittelbare Eindruck bei Ihnen ja auch eine bessere Vorstellung vom Leistungsvermögen der Streitkräfte, diesmal jedenfalls zum „Anfassen“ und jenseits der Berichterstattung in den Medien.

Und dennoch sollte uns diese Aktualität auch nicht den Blick verstellen auf die Geschichte eines Fliegerhorstes, die gleichermaßen die leid- und wechselvolle Geschichte unseres ganzen Landes reflektiert.

Denn nach der Grundsteinlegung 1934 beheimatete der Fliegerhorst zunächst Teile des Kampfgeschwaders 157 im „Dritten Reich“, der mithin jenem Verband angehörte, der im April 1937 als „Legion Condor“ bei dem Luftangriff aus die baskische Stadt „Guernica“ beteiligt war, – jener leidvollen Begebenheit, die Pablo Picasso zu seinem gleichnamigen Werk inspirierte, bis heute mahnt und die Erinnerung daran wachhält.

Nach dem Ende des II. Weltkrieges übernahm die „Royal Air Force“ den Fliegerhorst, – ein Umstand, der im Vorfeld wohl größere Zerstörungen der Stadt und der Liegenschaft verhindert hat.

Auch im Nachhinein eine glückliche Fügung, denn diesmal sandte Wunstorf ein anderes Signal an unsere europäischen Nachbarn, wurde doch von hier aus 1948/49 eine Hauptlast der Versorgungsflüge nach Westberlin im Rahmen der Luftbrücke geschultert.

Noch heute sehen Zeitzeugen und Historiker darin den ersten großen Schritt zur Westbindung Deutschlands nach dem zweiten Weltkrieg.

Im März 1958 übernahm dann die Luftwaffe der Bundeswehr den Fliegerhorst und vielleicht erinnern sich die älteren Semester noch daran, dass Konrad Adenauer hier 1963 mit einer großen Parade aus dem Amt verabschiedet wurde.

Daher überlasse ich die jüngere Geschichte wohl auch besser dem Hausherrn, der darüber sehr viel authentischer berichten kann.

Und dennoch erdet uns dieser kurze Abriss unserer jüngeren Geschichte für das was kommt, meine Damen und Herren:
Es ist nicht weniger als die Rolle unseres Landes im geeinten Europa und dessen Handlungsfähigkeit im Spannungsfeld der Großmächte.

Wer solch thematische Gravitas ertragen muss, sei gut gewappnet!
Das wusste schon der „Alte Fritz“, als er seine Tabak-Collegien mit allerlei Kurzweil garnierte.

Den großen Rahmen für unsere Kurzweil setzt dabei wohl immer noch die Fußball-Europameisterschaft, auch wenn die persönliche Betroffenheit nach unserem Ausscheiden spürbar abgenommen hat.

Daher überzeugte auch diesmal das „Kleine Gremium“ durch kluge Terminwahl.

Denn Pausengespräche brauchen einen gemeinsamen Nenner und da wir alle inzwischen wieder vom Virologen zum Fußballexperten mutiert sind, fordert uns auch das intellektuelle Format des Themas nicht über Gebühr und jeder kann mitreden.

Die zweite Säule fußt auf kurzweilige Ansprachen, – Betonung auf „kurz“ -, bodenständige Verpflegung und geistige Getränke.

Gemeinsam sind sie unser Geschenk an Sie und mithin gut verdaulich, auch wenn vegane Neigungsgruppen das durchaus etwas anders beurteilen dürfen.

Zu allem Überfluss haben wir aber auch noch ein dingliches Geschenk für Sie, – und das ist ein Löffel.

Damit meine ich nicht das Percussionsinstrument und auch nicht den gemeinen Kochlöffel, meine Damen und Herren.

Die Rede ist vielmehr von einem gegossenen Zinnlöffel, vormalig auch ein Volumenmaß zur Verabreichung von Medikamenten.

Wenn wir Ihnen also gleich einen „Mittelwächter“ verabreichen, betrachten Sie das bitte als medikamentöse Einstellung zur Stärkung Ihrer Sitzungsimmunität.

Danach geht der Löffel selbstverständlich in Ihren Besitz und eignet sich später bei inwendigem Gebrauch unter anderem hervorragend zur Wangenstraffung bei der morgendlichen Rasur oder auch dem faltenfreien Auftragen von Cremes und Kosmetika aller Art.

Selbstredend darf solch selbstlose Großzügigkeit wohl auch eine Gegenleistung erwarten, meine Damen und Herren.

Und die appelliert nicht nur an Ihr linguistisches Vermögen, sondern fordert auch Ihre soziale Kompetenz über alle Maßen.

Denn wenn ich mich gleich unserem Gastgeber, General Gerhartz, zuwende, richten Sie sich bitte an Ihren gegenwärtigen Nachbarn, – natürlich ohne Rücksicht auf Alter, Geschlecht, Herkunft und Hautfarbe – und sprechen uns beiden im Wechsel nach:

Ick seh di (Ich sehe Dich)
Ick drink di to (Ich trinke Dir zu)
Dat freut mi (Das freut mich)
Dat do (Das tu)
– Prost! –
Ick heb di tosapen
(Ich hab` Dir zugetrunken)
Hest´n Rechten drapen
(Hast den Rechten getroffen)

191. Zusammenkunft am 8. Juli 2021 Fliegerhorst Wunstorf

1. Tischrede                                                                                                                                                                                                                                                                                                                 Generalleutnant Ingo Gerhartz

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

was für ein tolles Bild! In festlicher Atmosphäre und alle in Präsenz.

Herr General Wieker hat die zahlreichen Ehrengäste der heutigen Zusammenkunft bereits formvollendet begrüßt. Das könnte ich nicht besser und will es daher auch gar nicht versuchen.

Herr General Wieker, lieber Volker,
ich freue mich sehr über das Wiedersehen mit Dir – meinem „alten“ Chef – und auch wenn ich Dir den Ruhestand (ich war sein Büroleiter, als er amtierender Generalinspekteur war) von Herzen gönne, ist es sehr schön, Dich als Redner auf großer Bühne zu erleben.
Ein herzliches Willkommen an Herrn Botschafter Ischinger, den ich heute auch als Gast begrüße und sonst immer nur in der Rolle des Gastgebers erlebt habe.
Seit 2008 sind Sie Vorsitzender der Münchner Sicherheitskonferenz und schon längst eine internationale Ikone der globalen Sicherheitspolitik. Es ist mir eine große Ehre, Sie heute hier begrüßen zu dürfen.
Ich freue mich, dass das Bremer-Tabak-Collegium uns die Ehre erweist, die 191. Zusammenkunft hier im Fliegerhorst Wunstorf zu feiern.
Liebe Frau Kreuzgrabe, wir fühlen uns durch den Besuch des Collegiums sehr geehrt. Der Fliegerhorst reiht sich somit ein in die vielen glanzvollen Versammlungsorte wie Schlösser, Rathäuser, Residenzen und altehrwürdige Gebäude in unserer Heimat wie im Ausland.

Meine sehr verehrten Gäste,
Sie besuchen heute mehr als nur die Heimat des Lufttransportgeschwaders 62 im Herzen Niedersachsens: Ich begrüße Sie in der Dritten Dimension – herzlich willkommen bei der Luftwaffe!
Und stellvertretend für all jene, die andere Dimensionen und Elemente ihre Heimat nennen, ist es mir eine besondere Freude, meinen Inspekteur-Kameraden von der Marine zu begrüßen: Herrn Admiral Schönbach.
Lieber Kay, ich freue mich sehr, dass Du heute hier in Wunstorf den besonderen Spirit der Luftwaffe erleben wirst. Angereist bist Du nicht, wie es schon standesgemäß gewesen wäre, mit einer Fregatte. Aber, wir hatten das bereits gehört, die Wassertiefe des Mittellandkanals ist für eine Fregatte nicht ausreichend.

Und wo wir schon bei Fregatte sind; ich möchte Dir von meiner Stelle als Chef der Luftwaffe gratulieren: in wenigen Tagen hievt die Fregatte Bayern den Anker und wird in Richtung des indopazifischen Raums fahren. Ich wünsche Deinen Männern und Frauen immer eine handbreit Wasser unter dem Kiel und alles Gute für diese Fahrt.
Wir werden mit der Luftwaffe folgen. Im Jahr 2022 werden wir erstmalig mit Eurofighter-Kampfflugzeugen und unserem neuen Airbus A330 Tankflugzeug an einer Übung in Australien teilnehmen und dann nach Singapur verlegen. Diese Spitze sei mir gegönnt, lieber Kay, wir werden dafür nicht zwei Wochen benötigen, sondern einen Tag!

Zurück zum Ort der heutigen Zusammenkunft und in aller Kürze eine Einordnung: Hier im Lufttransportgeschwader 62 dienen 1.200 und in der Luftwaffe insgesamt 30.000 Soldatinnen und Soldaten.

Das ist verglichen mit der Lufthansa (nur) knapp ein Viertel der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, aber unsere 400 Flugzeuge fliegen auch dorthin, wo zivile Fluglinien – aus guten Gründen – nicht starten und landen. Dort wo die Lufthansa aufhört zu fliegen, fangen wir erst an.

Ich begrüße an dieser Stelle ganz herzlich den Kommodore, Oberst Stern.

Ich freue mich, dass wir nach dem Essen hier im Ballsaal des Offizierheims den Vortrag von Botschafter Ischinger in einem Flugzeughangar hören werden.
Sie werden unter den imposanten Tragflächen des A400M Platz nehmen. Es wird nach Öl riechen, denn dort, wo wir die Zukunft der Europäischen Union diskutieren, arbeiten sonst unsere Techniker und Wartungscrews.
Ich empfinde es als außerordentliches Zeichen der besonderen Verbundenheit, dass das Bremer Tabak-Collegium diesen Ort ausgewählt hat, wohl wissend, dass in einem Flugzeughangar strengstes Rauchverbot herrscht. Lediglich Schnupftabak ermöglicht Nikotinkonsum ohne Funkenflug – diesen Konsum sind wir traditionell in der Luftwaffe gewöhnt. So ist das Schnupfen doch in vielen Geschwadern ein beliebter und bis heute gern praktizierter Brauch. Jedes Geschwader macht dabei aus der jeweiligen Rezeptur nahezu ein Staatsgeheimnis.
Auch wenn unser A400M, also eine Maschine, im Hangar sichtbar ins Zentrum rückt, ist es mir wichtig, deutlich zu machen, dass unsere größte Stärke unser motiviertes und professionelles Personal ist. Auf die kommt es an – jeden Tag!
Ein wichtiger Aspekt hierbei ist, dass Frauen bereits seit 2001 uneingeschränkten Zugang zu allen militärischen Laufbahnen haben. Hier in Wunstorf – und in der Luftwaffe insgesamt – haben wir aktuell einen Frauenanteil von gerade mal knapp zehn Prozent. Und wenn ich in die Runde der heutigen Zusammenkunft schaue, sehe ich, dass wir gemeinsam Potential haben, besser zu werden.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,
es gibt keinen Erfolg ohne harte Arbeit. Dieser Erfahrung wird jeder von Ihnen aus persönlichem Erleben zustimmen und gerade das Lufttransportgeschwader 62 bietet hierfür das beste Beispiel. Heute ist Wunstorf die stolze Heimat der größten Lufttransportflotte Europas. Inzwischen ist unsere Flotte auf 35 Flugzeuge angewachsen. Das Ziel sind 50 Maschinen und die Leistungsdaten des A400M setzen in den Bereichen Geschwindigkeit, Reichweite und Nutzlast neue Maßstäbe.Der A400M, der später die Kulisse des Abends prägen wird, fliegt nicht – die Motoren bleiben aus und trotz seiner Größe wird er dezent im Hintergrund bleiben.
Glauben Sie mir: General Wieker hat in seiner aktiven Zeit als Generalinspekteur unangenehme Erfahrungen mit nicht fliegenden Flugzeugen machen müssen: Damals war die Einsatzbereitschaft des A400M alles andere als erfreulich. Der steinige Weg zur heutigen Erfolgsgeschichte darf uns dafür umso stolzer machen – drei Beispiele:

Wir waren die erste A400M Nutzernation, die dieses System als Tankflugzeug erfolgreich in den Einsatz gebracht hat.
Seitdem ist der A400M ständig im Einsatz.
Aktuell hat der A400M die Rückverlegung unserer Kräfte aus Afghanistan geschultert.

Mit der Landung von drei A400M hier auf dem Fliegerhorst Wunstorf – am Mittwoch
vor einer Woche – hat der fast zwanzigjährige Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan seinen Abschluss gefunden. Die Einsätze der Bundeswehr und Wunstorf sind fest miteinander verbunden.
Bremen führt den Petrusschlüssel zum sprichwörtlichen ‘Tor zur Welt‘ im Wappen. Der Schlüssel für die weltweiten Einsätze der Bundeswehr ist dieser Ort hier mit unserem A400M.

Nächstes Beispiel: Der Schutz und die Versorgung unserer Soldatinnen und Soldaten haben höchste Priorität. Der A400M in der MedEvac-Konfiguration – also als fliegende Intensivstation – ist eine Fähigkeit, die im multinationalen Rahmen eine echte Mangelressource darstellt. Wie schnell diese Fähigkeit abgerufen werden kann, haben wir schmerzlich nach dem Anschlag in Mali am 25. Juni erfahren müssen. Bereits einen Tag nach dem Anschlag brachte ein A400M mit MedEvac Ausstattung die ersten schwer verletzten Bundeswehrsoldaten, Soldaten von Heer und Luftwaffe, nach Deutschland zurück.

Letztes Beispiel: Unser A400M bewährte sich im Rahmen der Corona-Krise – und das gleich in zwei ganz unterschiedlichen Ausprägungen: Nur der A400M ist in der Lage, eine Vielzahl von Intensiv-Patienten, zusammen mit einem bis zu elfköpfigen medizinischen Team, über weite Strecken in Rekordzeit an ihr Ziel zu fliegen. So haben wir den A400M viele Male für Transporte eingesetzt, die Leben gerettet haben. Von Wunstorf aus startete im Februar unser A400M nach Portugal, um Ärzte, Pflegekräfte und medizinisches Material zu transportieren. Und dann flogen wir im Mai zwei Maschinen nach Indien mit Anlagen zur Erzeugung von Sauerstoff – transportiert in 20-Fuß-Containern.

Diese drei Beispiele zeigen, dass wir heute stolz auf das Erreichte sein können. Der A400M ist zum verlässlichen Rückgrat unseres Lufttransports geworden und weit mehr als nur eine seelenlose Maschine.

Ich möchte Albert Einstein zitieren, um ihm zu widersprechen. Einstein sagte: „Der Urquell aller technischen Errungenschaften ist die göttliche Neugier und die konstruktive Phantasie des technischen Erfinders.“
Selbstverständlich darf der A400M die Entwickler und Ingenieure von Airbus stolz machen, doch erst die Leidenschaft und das Engagement unserer Soldatinnen und Soldaten prägen den Erfolg. Doch Einstein sprach ja vom „Urquell“. Diesen sollen wohl die Konstrukteure und Erfinder für sich in Anspruch nehmen. Aber hier widerspreche ich erneut, denn bei multinationalen Rüstungsprojekten solcher Dimensionen ist der politische Wille der Urquell des späteren Erfolgs. Ich sage dies, weil heute ein Projekt der Luftwaffe den politischen Willen und Mut Europas erfordert.
Gemeinsam mit Frankreich und Spanien entwickeln wir das ‘Next Generation Weapon System‘, kurz NGWS. Dieses neue Kampfflugzeug-system der 6. Generation ist weit mehr als ein Nachfolger des deutschen Eurofighters und der französischen Rafale. Das neue Kampfflugzeug ist Herzstück des ‘Future Combat Air Systems‘ (FCAS) – eines Verbundes von bemannten und unbemannten Luftfahrzeugen in einem System. FCAS bedeutet Zukunft für die Luftwaffe und ist zugleich ein starkes europäisches Signal. Dieses neue europäische Luftkampfsystem kennzeichnet das größte europäische Rüstungsprojekt überhaupt. Dieses technisch anspruchsvolle und für unsere Luftwaffen zukunftsweisende Projekt ist ohne Alternative, wenn wir uns in Europa eine Unabhängigkeit bewahren wollen. Und wir hoffen und ich als Inspekteur werbe dafür, dass weitere europäische Nationen – wie Großbritannien und Italien – die Chancen dieses Projektes erkennen und nutzen.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,
die Luftwaffe richtet sich konsequent multinational aus. Dies ist eine Botschaft, die ich glasklar senden möchte.
Für die Luftwaffe ist die multinationale und vor allem transatlantische Ausrichtung fester Teil unseres Selbstverständnisses:

Am heutigen Tag endet eine einwöchige Reise einer Delegation von 65 Offizieren der israelischen Luftwaffe in Deutschland, die ich am vergangenen Montag persönlich in Berlin begrüßen durfte. Mit dem erstmaligen Austausch von jungen Offizieren haben wir einen weiteren Meilenstein gesetzt. Wir verbinden nicht nur Waffensysteme, sondern Menschen mit Menschen. Im Oktober werden wir erneut mit unseren Eurofightern in Israel üben und haben uns auch für die nächsten Jahre viel vorgenommen, um die Zusammenarbeit unserer Luftwaffen noch intensiver auszugestalten. Wobei ich mit einem Blick zurück unterstreichen möchte, dass ich den Vorbeiflug und den anschließenden Besuch im ehemaligen Konzentrationslager Dachau im letzten Jahr niemals vergessen werde. Das gemeinsame Gedenken mit General Amikam Norkin in Deutschland hat mich zutiefst bewegt.

Weitere Beispiele unserer internationalen Vernetzung:

Seit dem 1. Juli fliegen wir integriert in ein Kontingent der britischen Royal Air Force gemeinsam mit der rumänischen Luftwaffe Air-Policing-Einsätze, quasi eine Luftpolizei, an der Südgrenze der NATO und unterstreichen somit die Relevanz von Luftstreitkräften für die Bündnisverteidigung.

Im Jahr 2022 werden wir erstmals an der Übung PITCH BLACK in Australien teilnehmen und mit Eurofightern im indo-pazifischen Raum unsere Fähigkeit zur schnellen Projektion von Luftmacht über weite Distanz untermauern.

Im Folgejahr wird Air Defender 23 die Schwerpunktübung der Luftwaffe.
US-Flugstaffeln werden nach Deutschland verlegt und wir betonen hiermit nicht nur den transatlantischen Zusammenhalt der NATO, sondern zeigen, dass wir nicht nur rote Linien ziehen, sondern auch bereit und in der Lage sind, diese zu schützen.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,
dies ist der Blick in die nahe Zukunft.

Gerade hier in Wunstorf kann die besondere Bedeutung von Luftstreitkräften auch anhand eines historischen Beispiels untermauert werden. Ohnehin darf dieses Kapitel nicht unerwähnt bleiben, wenn man hier die Zukunft Europas diskutiert: die Berliner Luftbrücke.
Wunstorf war vor 73 Jahren ein wichtiger Pfeiler der Versorgung der Westberliner Bürgerinnen und Bürger aus der Luft, noch bevor die Luftwaffe diesen Fliegerhorst übernommen hat.

Um nun den Schlusspunkt meiner Rede zu setzen und zugleich den Bogen wiederum zum Bremer Tabak-Collegium zu schlagen, möchte ich darauf hinweisen, dass die Rosinenbomber, die von Wunstorf starteten, tausende von Care-Paketen nach Berlin flogen. Pro Tag erreichten Berlin bis zu 1.000 Pakete – insgesamt über 200.000 während der Blockade. Jedes Paket enthielt Fleisch, Zucker, Butter, Kaffee und – natürlich – eine Packung Zigaretten.

Als Luftwaffe engagieren wir uns für die „Erinnerungsstätte Luftbrücke Berlin“ in Faßberg. Für den heutigen Tag hat man mir ein besonderes Zigarettenetui geliehen, das sonst im Museum ausgestellt wird. Ein Pilot der Luftbrücke hat sich die drei Flugrouten gravieren lassen und somit ein persönliches Erinnerungsstück an die Luftbrücke geschaffen. Ich habe es heute für diesen besonderen Abend neu mit Zigaretten bestückt.

Meine Damen und Herren: Genießen Sie schöne Stunden mit interessanten Gesprächen und anregenden Diskussionen. Fühlen Sie sich bei der Luftwaffe herzlich willkommen.

 

191. Zusammenkunft am 8. Juli 2021 Fliegerhorst Wunstorf

2. Tischrede
General a.D. Volker Wieker

Verehrte Frau Senatorin,  sehr geehrter Herr Botschafter, sehr verehrte Damen, meine Herren,
der schon erwähnte Konrad Adenauer sagte einmal:“ Machen Sie sich erstmal unbeliebt, dann werden Sie auch ernstgenommen.“
Am Fuße einer zweiten Tischrede, die erneut Ihren Gleichmut und das Sitzfleisch auf eine harte Probe stellen, bin ich mir fast sicher, zumindest den ersten Anspruch zu erfüllen und überlasse die entsprechende Schlussfolgerung getrost Ihrem untrüglichen Urteilsvermögen.
Und dennoch ist es mir ein Herzensanliegen, mit Ihnen gemeinsam unseren heutigen Ehrengast, Herrn Botschafter Prof. Dr. Wolfgang Ischinger, zu begrüßen, der nachher zum Thema: „ Eine handlungsfähigere Europäische Union – schaffen wir das?“ zu uns sprechen wird.
Der „Nebenaußenminister“ titelte die renommierte Süddeutsche Zeitung anlässlich Ihres jüngsten Geburtstages und auch aus meiner bescheidenen Warte darf ich Stefan Cornelius von ganzem Herzen beipflichten, wenn er in „Auszügen“ schreibt:
„Die vierte Jahreszeit heißt in München nicht unbedingt Fasching oder Karneval, sondern Sicherheitskonferenz.
Pünktlich Mitte Februar bestieg deshalb ungeachtet jeder Corona-Restriktion ein Mann die Bühne im Bayerischen Hof, um den amerikanischen und französischen Präsidenten, die deutsche Bundeskanzlerin, den britischen Premier und eine Reihe weiterer Großweltenlenker zu begrüßen und Ihnen das Wort zu erteilen.
Sie bedankten sich anschließend artig bei Herrn Ischinger, Herrn Botschafter oder „Wulfgäng“, der an diesem Tag weitgehend allein im Hotelsaal platziert war, aber seine Zuschauer waren ihm sicher:
Die Gemeinschaft der außenpolitischen Handlungsreisenden rund um den Globus…
Joe Biden ist ein alter Bekannter Ischingers. Die beiden nennen sich beim Vornamen, denn Biden gehörte zum Senatorengestirn der Herren Lugar, Nunn, McCain, Lieberman und Kerry, die verlässlich in München zur Pflege der Außenpolitik aus dem Prä-Trumpistan auftauchten.
Diese Zeiten scheinen irgendwie verflogen, und dennoch gibt es Konstanten im Staatenleben:
Ischinger nimmt eine ganz besondere Rolle in dieser Diplomatenwelt ein, weil er kein Diplomat mehr ist und dennoch so etwas wie ein Ein-Mann-Souverän mit Sondervollmacht und Schlüssel für die Hintertür.“

Treffender, sehr geehrter Herr Botschafter, meine Damen und Herren, kann man Ihre heutige Rolle und Reputation wohl kaum beschreiben.
Und dennoch würde eine eher verklärte Rückschau heute dem steinigen Weg dorthin ganz sicher nicht gerecht.
Denn er führte vom persönlichen Referenten Hans-Dietrich Genschers über den Chef des Planungsstabes, Politischen Direktor und Staatssekretär im Auswärtigen Amt direkt zum deutschen Botschafter in Washington und anschließend London.
Allein, – es sind Amtsbezeichnungen und die beschreiben in keiner Weise politisches Wirken.
Vielmehr sind es die tektonischen Verschiebungen in der Außen- und Sicherheitspolitik der in Rede stehenden Epoche, die Konflikte und Ereignisse, die das Lastenheft viel treffender beschreiben, – und sie sind abendfüllend, meine Damen und Herren, daher belasse ich es auch nur bei einigen Stichworten, – Ihnen allen wohlvertraut und selbsterklärlich:

– der Balkan-Konflikt und der Friedensvertrag von Dayton in engem Zusammenwirken mit Richard Holbrooke

– die NATO-Öffnung und das neue Verhältnis zu Russland

– die Erweiterung der Europäischen Union und die Gestaltung einer gemeinsamen europäischen Außenpolitik

– der Kosovo-Konflikt und die Verhandlungen der sogenannten Troika, der Sie, Botschafter Ischinger, angehörten

und vieles mehr, das allein schon hinreichend geeignet wäre, ein Leben und Wirken zu beschreiben, das ganz sicher nicht in der Komfort-Zone der Politik angesiedelt warund schließlich zum nur wenig überraschenden Vorsitz der Münchner Sicherheitskonferenz führte.
Wer könnte also besser geeignet sein, jenes Thema zu bereedern, das uns alle schon seit einiger Zeit mit Sorge erfüllt; – die Handlungsfähigkeit der Europäischen Union im Spannungsfeld der Großmächte, deren interessengeleitete Machtpolitik multilaterales Handeln zunehmend untergräbt und in Frage stellt.
Zweifellos begegnet man solchem Gebaren wohl am besten aus einer Position der Stärke, und die ist vor allem eine Wahrnehmung im Kopf des Gegenübers.
m Gegensatz zur Autokratie aber schöpft Demokratie ihre Stärke aus Solidarität und Gemeinsinn, und zwar in allen Domänen politischen Handelns.
Ohne sie bleiben alle Bündnisse daher nur Lippenbekenntnisse, wenn es an Entschlossenheit zum gemeinsamen Handeln fehlt.

Sie, sehr geehrter Herr Botschafter, haben in Ermangelung eines „starken“ Taktgebers für die Rückkehr zu einer regelbasierten Weltordnung die schöne Wortschöpfung „Westlessness“ geschaffen und appellieren damit gleichermaßen an unsere westliche Wertegemeinschaft transatlantischer Prägung wie auch die Europäische Union.
In der zarten Morgenröte einer neuen Bundesregierung sollte wohl auch unser Land dabei eine maßgebliche Rolle spielen und ich bin mir sicher, meine Damen und Herren, dass Botschafter Ischinger sie uns auch gleich ins Poesiealbum schreiben wird.
Daher möchte ich Ihre Anteilnahme auch nicht über Gebühr erschöpfen und halte es mit Mark Twain, der einmal sagte: „Was Rednern an Tiefe fehlt, sollten sie nicht durch Länge ersetzen wollen“.
Sehr geehrter Herr Botschafter, wir freuen uns auf Ihre Worte und den anschließenden Diskurs in einer Umgebung, die wohl für uns alle nicht ganz alltäglich ist.
Herzlichen Dank!

191. Zusammenkunft am 8. Juli 2021 Fliegerhorst Wunstorf

Vortrag
Botschafter Prof. Dr. h.c. Wolfgang Ischinger
„Eine handlungsfähigere Europäische Union – Schaffen wir das?“

Sehr geehrte Damen und Herren,

zunächst einmal möchte ich mich ganz herzlich bei Ihnen bedanken, General Wieker, beim Hausherrn, Herrn General Gerhatz und bei den Organisatoren des Bremer Tabak-Collegiums. Es ist mir wirklich eine große Freude, eine Ehre und ein Privileg, diesen Abend hier mit Ihnen verbringen zu können und mit Ihnen einige Gedanken zur Lage der Europäischen Union in der aktuellen weltpolitischen Krisenlage zu teilen.

Ich will zunächst einmal ein Wort des Dankes sagen, weil mir das sehr am Herzen liegt: Ohne die sehr aktive Unterstützung des damaligen Generalinspekteurs Wieker und andere führende Persönlichkeiten im Verteidigungsministerium hätten wir es nicht hinbekommen, vor ein paar Jahren die Münchener Sicherheitskonferenz, die im Grunde nichts anderes war, als ein völlig privates Unternehmen, umzuwandeln in eine Stiftung, die inzwischen eine durchaus wesentliche Zustiftung, ausgerechnet aus dem Einzelplan 14 des Bundeshaushaltes – die Fachleute unter Ihnen werden wissen, das ist der Einzelplan aus dem auch dieses Flugzeug finanziert wird – bekommen hat.

Ich bedanke mich stellvertretend für viele andere bei Ihnen, lieber Herr General Wieker, für die Unterstützung, weil das dazu führt und auch schon geführt hat, dass die Münchener Sicherheitskonferenz nicht nur so ein Event ist, sondern eine Institution geworden ist und auch weiter sein kann, die nachhaltig wirken kann. Die auch nicht, wenn wir mal finanzielle oder andere Probleme haben sollten, plötzlich wieder untergeht.

Das neue deutsche Wort dazu heißt: system ability – und die haben wir dadurch gewonnen. Meinen ganz herzlichen Dank dafür.

Wenn ich jetzt hier unter dieser Tragfläche des Flugzeuges stehe, dann muss ich Ihnen, bevor ich zu meinem Thema komme, eines kurz erzählen: Ich habe einmal in meinem Leben eine ähnliche Ambiance erlebt. Das war am Eröffnungsabend der Verhandlungen über den Friedensschluss in Bosnien, auf der Amerikanischen Airbase in Dayton/Ohio, bei Ihren amerikanischen Kollegen, der amerikanischen Luftwaffe. Und das erste Abendessen mit solch anerkannten Führungskräften wie
Slobodan Milošević und dem Kroatischen Präsidenten, Franjo Tuđman, und anderen, fand in einem Hangar der Airbase in Dayton statt. Über dem Ehrentisch, an dem die Führungspersonen saßen, das war ein runder Tisch, an dem auch ich saß, hing eine richtige, nicht nur eine Attrappe, eine amerikanische Cruise-Missile. Ihr Konterpart, Herr General, der anwesende amerikanische Luftwaffenkommandeur, wies Präsident Milošević daraufhin, dass eine Cruise-Missile diesen Typs, die Regierung von Slobodan Milošević dazu gezwungen habe, an dieser Verhandlungsrunde in Amerika endlich teilzunehmen. Das war ein ziemlich denkwürdiges Ereignis über die Frage, wie militärische Macht und diplomatische Kunst, wenn sie richtig eingesetzt werden, zu Frieden und zur Beendigung von Krieg führen können.

Das ist das Thema meines Berufes gewesen über die letzten langen Jahre.

Ich will Sie nicht mit theoretischen Überlegungen langweilen – vielleicht fürchten Sie sich davor – über das, was ein handlungsfähiges Europa ausmachen würde oder sein könnte. Sondern ich würde gerne – erfreulicherweise hat man mir ja etliche Minuten gegeben – um das zu erläutern, meine Ausführungen damit beginnen, Ihnen zu erläutern, wie ich die aktuellen Rahmenbedingungen der Weltpolitik sehe, in denen sich die Bundesrepublik Deutschland gemeinsam mit ihren Partnern, Nachbarn und Verbündeten in der Europäischen Union und dem Nordatlantischen Bündnis bewegen muss.

Ich sage das, meine Damen und Herren, als Vertreter einer Institution, der Münchener Sicherheitskonferenz, die von einer amerikanischen Zeitschrift im vergangenen Monat mit einem Titel ausgezeichnet wurde. Darüber habe ich mich natürlich gefreut. Der Journalist schrieb, die Münchener Sicherheitskonferenz ist: „The Brain-Trust of the West“!

Das ist sicherlich eine große Übertreibung. Aber, das wir versucht haben und weiter versuchen in diese Richtung zu wirken. Also über Themen zu reden und Themen anzusprechen, die vielleicht über den Horizont noch nicht sichtbar sind, „over the horizon“ wie man so schön sagt, so definiere ich eigentlich meine Aufgabe.

Bevor ich jetzt in das Thema ernsthaft einsteige, will ich mich doch noch einmal bei Ihnen, Herr Wieker, für Ihre außerordentliche überschwängliche Einführung vorhin am Ende des Dinners bedanken. Was Sie da an Nettigkeiten über mich gesagt haben, hat mich erinnert an einen Abend an dem ich vor längerer Zeit in New York in einem großen Ballsaal teilgenommen habe. Bei diesem Event wurde der Dinner-Speaker, ein sehr bekannter amerikanischer Industrieller, von keinem geringeren als Henry Kissinger, unserem alten deutsch-amerikanischen Mentor und früheren Außenmister eingeführt. Und ich möchte jetzt Ihnen, lieber Herr Wieker, ausdrücklich dafür danken, dass Sie nicht die Kissinger’sche Methode der Einführung des Redners gewählt haben, sondern Ihre nette Methode. Kissinger hat an dem Abend folgendes gemacht: er sagte, Ladies and Gentlemen, Sie werden sicher mit mir übereinstimmen, dass ich Sie noch nie mit einer langweiligen Rede durch einen langen Abend gequält habe. Heute Abend ist es mir ein Vergnügen, Ihnen einen Redner vorzustellen, der genau das tun wird. Der Redner hatte dann also gewisse Startschwierigkeiten.

Ich bin Ihnen wirklich sehr dankbar, für diese völlig andere Methode der Einführung.

Die Rahmenbedingungen, meine Damen und Herren, verstehen wir eigentlich das, was um uns herum vorgeht? Haben wir begriffen, dass wir uns in einem epochalem Bruch, in einer Zeitenwende befinden (wir hatten das in einem längeren Papier der Münchener Sicherheitskonferenz beschrieben), in der fast alles, was wir in Deutschland glaubten an außen- und verteidigungspolitischen Gewissheiten zu haben, ungewiss zu werden scheint?

Verstehen wir das, was rund um uns passiert, eigentlich richtig? Können wir das, was wir sehen, richtig einordnen?
Der ein oder andere wird sich fragen, was ist das für ein Geschwätz. Natürlich können wir das…

Aber es gibt eine treffende Geschichte von Papst Benedikt (der ein odere andere wird diese Geschichte schon einmal von mir gehört haben, da bitte ich um Nachsicht) , dem damaligen deutschen Papst, der sich auf einer Deutschlandreise befand. Er war zu einem Termin in München, das war ja sein früherer Job als Erzbischof, Kardinal in München.
Man setze ihn in eine 7er-BMW-Limousine und er sollte zu seinem nächsten Termin nach Stuttgart gefahren werden.

Die Fahrt ging über die Autobahn München-Stuttgart. Kaum war der Wagen auf die Autobahn eingebogen, sagte der Papst zu dem jungen Fahrer, „Junger Mann, Sie können das ja nicht wissen, aber als ich noch hier in München lebte, bin ich mit meinem eigenen Auto herumgefahren. In Rom lassen die mich überhaupt nicht mehr selber Auto fahren und schon gar nicht mit so einer 7er-Limousine mit 400 PS. Würde es Ihnen etwas ausmachen, wenn wir mal die Plätze tauschen?“.

Der junge Mann, vermutlich ein frommer Katholik, sagt:“Eure Heiligkeit, selbstverständlich!“, fährt am nächsten Parkplatz rechts ran und setzt sich ganz bescheiden nach Hinten. Der Papst setzt sich ans Steuer, gibt Gas und ab geht die Post! Nach wenigen Kilometern passiert das, was passieren musste: Der Papst landet in einer Radarfalle der bayrischen Polizei und das Auto wird gestoppt.

Der junge Polizist nähert sich vorschriftsmäßig dem Wagen, sozusagen von hinten und schaut rein…Und schaut dann nochmal rein und beschließt dann erstmal seinen Chef in München anzurufen. Er sagt: „Chef, ich habe hier einen schwierigen Fall! Der ist 40 km/h zu schnell gefahren – aber mir scheint das so eine Art VIP-Sache zu sein! Soll ich dem jetzt wirklich einen Strafzettel geben?“.
Der Chef sagt:“Sagen Sie mal, junger Mann, haben Sie in der Polizeischule nicht aufgepasst? Bei uns in Bayern sind alle vor dem Gesetz gleich. Wenn der 40 km/h zu schnell gefahren ist, dann bekommt der natürlich einen Strafzettel, was soll denn dieser Anruf!“ und legt auf.

Unser junger Polizist denkt noch einmal nach, schaut noch einmal in das Auto und beschließt seinen Chef noch einmal anzurufen. Er sagt: „Chef, bevor ich jetzt einen ganz krassen Fehler mache, sind Sie wirklich der Meinung, dass ich dem ein Strafmandant ausschreiben sollte, wobei ich wirklich glaube, dass es so eine VIP-Sache ist?“. Da sagt der Chef: „wer verdammt noch einmal ist denn in diesem Auto?“. Da sagt der junge Polizist: „Chef, das ist ja genau das Problem. Ich weiß nicht, wer das ist. Was ich weiß ist, sein Fahrer ist der Papst!“.

Was diese Geschichte uns lehrt, ist, dass es manchmal schwieriger ist, als man denkt, die Dinge, die man glaubt zu sehen, richtig einzuordnen, sie vor allem politisch richtig einzuordnen.

Bei den sogenannten außenpolitischen Gewissheiten, die wir Deutschen, jeden Falls meine Generation und vermutlich viele von Ihnen, als gegeben unterstellt haben, da darf man heute große Fragezeichen machen.

Ich gebe Ihnen mal ein paar Beispiele:

Die erste außenpolitische Gewissheit, mit der ich groß geworden bin als junger Diplomat vor 40 Jahren, und die bis vor kurzen noch zu gelten schien, war die USA mit der nuklearen Garantie, symbolisiert durch den Art. 5 des NATO-Vertrages, sind auf ewig unser Protektor.
Das gilt offenbar nicht mit Ewigkeitsgarantie, nach dem, was wir in der Ära Trump erlebt haben. Wir müssen uns also interessanterweise darauf einstellen, dass diese unterstellte dauerhafte Absicherung Deutschlands oder Europas möglicherweise infrage gestellt wird. Keineswegs nur in Washington, sondern von denen, mit denen wir möglicherweise ein Problem haben, in Moskau oder andern Ortes.

Zweite feste Gewissheit für meine Generation von Außenpolitikern: wir arbeiten an dem Projekt der „ever closer European union“. Das ist der Begriff, der in den europäischen Verträgen steht, meine Damen und Herren.
„Ever closer European Union“: also der immer engere Zusammenschluss Europas. Wir haben über Jahrzehnte unterstellt, dass das ein Ziel ist, das von niemanden in Frage gestellt wird, weil es ja so selbstverständlich schien. Jetzt haben wir leider den Brexit und damit ist aus dieser Gewissheit eine Ungewissheit geworden. Im Augenblick ist die Europäische Union mühselig damit beschäftigt, sich am Leben zu erhalten, ihre inneren, ihre internen Probleme zu bewältigen. Ob und wann sie imstande sein kann – und das ist ja das eigentliche Thema meiner Ausführungen – sich als weltpolitischer Akteur im positiven Sinn Luft zu verschaffen, bleibt abzuwarten.

Dritte geglaubte Selbstverständlichkeit: wir haben über viele Jahrzehnte gedacht, meine Damen und Herren, Wandel durch Handel, Wandel durch Annäherung. China, so wurde vor 20 Jahren von wichtigen und sehr klugen Leuten gesagt, wird schon, je intensiver wir mit denen Handel treiben zu einem responsible stakeholder werden. Zu einem verantwortungsvollen und verantwortungsbewussten Akteur und Aktionär in einem von uns getragenen internationalen System.

Inzwischen wissen wir, dass China alle möglichen Ziele hat, aber sicherlich nicht das Ziel vertritt, das von uns oder von dem Westen nach dem 2. Weltkrieg geschaffene System eins-zu-eins zu übernehmen und in diesem System glücklich zu werden. China verfolgt seine eigenen Ziele mit möglicherweise völlig anderen Prioritäten und Zielsetzungen.

Ich könnte die Liste an verloren gegangenen Gewissheiten fast beliebig fortsetzen.

Insbesondere natürlich zum Thema Russland. Einer unserer großen Auseinandersetzungspunkte.

Lassen Sie mich an dieser Stelle nur sozusagen in Klammern, damit mir hinterher nicht vorgeworfen werden kann, ich hätte das Thema nicht angesprochen, drei Sätze sagen zum Thema Nord Stream 2, ein sehr beliebtes Thema der außenpolitischen Auseinandersetzungen. Nord Stream 2 wurde von der Bundesregierung präsentiert als ein Projekt der Business-Community, als ein Projekt von Unternehmen, also ein Projekt, das rein wirtschaftlichen Interessen dient.

Nun hat unglücklicherweise kein geringerer als Vladimir Putin bei einer Veranstaltung in Sankt Petersburg der Bundesregierung genau dieses Argument mit großer Brutalität aus der Hand geschlagen, in dem er gesagt, es liegt jetzt natürlich an der Ukraine; wenn die sich gut benehmen werden in den weiteren Jahren, werden wir weiter Gas durch die Ukraine liefern. Wenn nicht, dann halt nicht.

Mit anderen Worten: Putin hat indirekt uns allen gesagt, das Projekt ist natürlich nicht ein Projekt, das nur Businnes-Relevanz hat. Das ist ein geostrategisches, ein politisches und damit auch ein strategisches Projekt. Das ist der erste Punkt.

Und der zweite Punkt ist: Man mag das bedauern, dass das so weit gekommen ist, aber wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass es in langen Jahren kein Thema deutscher Außenpolitik gegeben hat, bei dem die Glaubwürdigkeit, die Verlässlichkeit deutscher Außenpolitik von so vielen Nachbarn, Partnern und Freunden der Bundesrepublik Deutschland gleichzeitig in Frage gestellt worden ist.

Auf gut Deutsch gesagt, das Thema Nord Stream 2 ist zu einem Mühlstein um den Hals deutscher Glaubwürdigkeit geworden. Unglücklicherweise. Niemand bedauert das mehr, als ich. Wenn man so eine Lage hat, die man hoffentlich, so wie ich es jetzt darstelle, halbwegs richtig diagnostiziert, dann muss man sich natürlich die Frage stellen, wie werde ich diesen Mühlstein los.
Mir hat vor wenigen Tagen ein amerikanischer Freund, der eine wichtige Rolle in der neuen Administration hat, zu verstehen gegeben, dass wenn bei dem Besuch der Kanzlerin in der kommenden Woche in Washington nicht ein gesichtswahrender Ausweg in dieser Frage gefunden wird, den beiden Administrationen nichts anderes übrig bleiben werde, als die angedrohten Sanktionen gegen Firmen und andere Institutionen wegen Nord Stream 2 doch endlich in Gang zu setzen.

Der Druck aus dem amerikanischen Senat ist sehr, sehr stark und er führt dazu, dass die Biden-Administration wegen Nord Stream 2 und wegen ihres Verzichts auf Sanktionen gegen Deutschland im Augenblick die eine oder andere Kandidatur für wichtige Positionen in der Administration nicht durch den Senat bekommt.
Da wird sozusagen der Preis von Tag zu Tag hochgetrieben. Wie kann die Lösung aussehen? Ich will Sie jetzt nicht mit Details langweilen. Aber wenn Sie mich als Praktiker der Außenpolitik fragen, dann muss man sich in einer solchen Lage, in der man einen Mühlstein um den Hals hat, die Frage stellen, ob man den Mühlstein nicht einem seiner Gegner um den Hals hängen kann. Und wenn ja, wie kann ich das machen. Ich will Ihnen nur in einem Satz andeuten, wie es vielleicht gehen könnte oder in welche Richtung es gehen könnte. Es könnte sein, dass die Bundesregierung der russischen Seite signalisieren könnte: die Rahmenbedingungen, die außenpolitischen und atmosphärischen Rahmenbedingungen die vor längeren Jahren existierten, als wir uns über dieses Projekt einig geworden sind, sind dramatisch verändert worden. Und zwar nicht durch uns.
Sondern durch den Vorgang Nawalny, durch den Vorgang Krim, durch den Vorgang Donbass, durch den Vorgang Syrien, durch den Vorgang Skripal, … und die Liste kann man fast beliebig verlängern.

Und deswegen ist es an Euch, liebe Russen, den Versuch zu unternehmen, die atmosphärischen Rahmenbedingungen so zu reparieren, dass wir, ohne dass wir Sanktionen unserer amerikanischen Freunde befürchten müssen, oder ohne, dass wir zum dritten Mal eine Niederlage im Europäischen Parlament in dieser Frage erleiden, halbwegs ungeschoren aus dieser Lage herauskommen. Der Ball wird sozusagen in den russischen Strafraum zurückgespielt. Das wäre, wenn ich es zu verantworten hätte, mein Vorschlag.

Ich hoffe, in unser aller Interessen, dass es in der kommenden Woche, zu einem irgendwie gearteten Ausweg kommt in dieser Frage.

Ich will in aller Kürze noch ein paar Punkte nennen, um Ihnen zu zeigen, woran das eigentlich liegt, dass wir uns in einer Zeitenwende befinden, in der die Rahmenbedingungen unserer außenpolitischen früheren Gewissheiten sich so dramatisch verändert haben.

Ich gebe Ihnen ein Beispiel:
Viele von Ihnen werden Großväter oder Väter gehabt haben, die im 1. oder 2. Weltkrieg gedient haben. Meine beiden Großväter waren im 1. Weltkrieg, mein Vater war im 2. Weltkrieg Luftwaffenoffizier. Diese unsere Großväter, Väter oder Onkels waren immer nur in Konflikten involviert, bei denen es um Konflikte zwischen Staat A und Staat B ging. Also das Deutsche Reich gegen Frankreich oder Deutschland gegen den Rest der Welt und so weiter.

Das sind die klassischen Konflikte des 19. und des 20. Jahrhunderts. Wenn Sie die Konflikte des Jahres einmal durchdeklinieren von A wie Afghanistan bis Y wie Yemen, dann werden Sie feststellen, dass Sie nicht einen einzigen Konflikt finden, der dem klassischen Muster, der klassischen Kriege zwischen Staaten ähnelt.

Alle diese aktuellen Konflikte sind im Kern eher Konflikte innerhalb von Staaten. Wo also die Afghanen von der einen Seite mit den Afghanen von der anderen Seite im Klinsch liegen. Wo die einen Yeminiten mit den anderen Yeminiten kämpfen. Unter der Beteiligung ausländischer Mächte in verschiedensten Konstellationen.
Aber das ist, meine Damen und Herren, genau der Punkt!

Wir hatten im Jahr 2010 81 gewaltsame Konflikte dieser Art auf der Welt. Im Jahr 2019 waren es 152, also fast schon doppelt so viele. Ist die internationale Politik, die internationale Gemeinschaft imstande, mit diesen neuartigen Konfliktlagen, die wie gesagt, nicht Konflikte zwischen Staaten sind, sondern die Konflikte sind im Kerne innerhalb von Staaten, umzugehen? Die Antwort liegt auf der Hand, Nein!

Da müssen Sie in der Geschichte lange zurückgehen, bis Sie einen Fall finden, in dem der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen einen internationalen Konflikt tatsächlich mit Entschlossenheit und Einstimmigkeit zu Ende bringen konnte. Die Zeiten sind aus verschiedensten Gründen vorbei. Ich würde gerne eine Überlegung hier anstimmen: Vor 400 Jahren gab es ein wesentliches völkerrechtliches und außenpolitisches Ereignis. Das war der Friedensschluss nach dem 30-jährigen Krieg. Der Friede von Münster und Osnabrück.

Aus diesem Friedensschluss ist das moderne Völkerrecht entstanden und am Schluss auch die Charta der Vereinten Nationen. Einer der Kernsätze des Friedensschlusses von Münster und Osnabrück war die Souveränität der Fürsten.

Das ging so weit, dass man sagte, wenn der Fürst evangelisch ist, dann haben gefälligst sein Untertanen auch evangelisch zu sein oder umgekehrt. Plötzlich gab es einen heiligen Schein über der Souveränität der Fürsten.

Das Prinzip der Unantastbarkeit der staatlichen Souveränität hat sich über die letzten mehreren hundert Jahre übertragen bis in die Gegenwart und steht in der UN-Charta. Das ist der Grund, warum Russland beliebig – natürlich auf Einladung von Baschar al-Assad – in Syrien herumfliegen und gemeinsam mit den syrischen Kräften die schlimmsten Verbrechen begehen konnte, während wir, der Westen, weil wir natürlich nicht eingreifen können, ohne Einladung in einem fremden Land, das auf seine Souveränität pocht, sozusagen machtlos am Spielfeldrand saßen.
Was ich damit sagen möchte, meine Damen und Herren, ist jetzt ein etwas wagemutiger Satz. Ich hoffe, dass einige von Ihnen sich irgendwann einmal mit dieser Frage befassen, ich bin mir bewusst, dass hier auch ein paar renommierte Juristen hier unter uns sind.
Das geltende Völkerrecht ist ein Recht, das Diktatoren schützt und Menschen schutzlos macht.
Das kann nicht das Völkerrecht sein, das wir wollen.

Deswegen ärgere ich mich persönlich über Sprüche – auch aus den Reihen unserer eigenen Regierung – wie toll es wäre, wenn wir eine Allianz der Multilateralisten schaffen, um sozusagen die guten Kräfte des Westens zusammenzuführen.

Der Multilateralismus ist ein Instrument, es ist ja kein Ziel.

Ich will Ihnen sagen, was aus meiner Sicht ein relevantes Ziel, eines Zusammenschlusses des Westens sein könnte. Nämlich darauf zu drängen, dass das Völkerrecht geändert wird. Völkerrecht ist ein Recht, dass sich durch Praxis ändert.
Dass das Völkerrecht sich ändert von einem Recht, das Diktatoren schütz, hin zu einem Recht, das Menschen schützt.Vom Diktatorenschutz zum Menschenschutz.

Und wie kriegt man das hin?

Die Juristen unter Ihnen werden das wissen: vor 15 Jahren hat die Vollversammlung der Vereinten Nationen die sogenannte Schutzverantwortung, Responsibility to Protect, mit überwältigender Mehrheit angenommen. Aber dieses Prinzip, dass genau in diese Richtung führt, harrt weiterhin auf Umsetzung.

Ich glaube, das wäre ein großartiges Reformziel, dem sich nicht nur die Bundesrepublik Deutschland, sondern die ganze Europäische Union und ihre Partner verschreiben sollten und könnten, um in die richtige Richtung weltpolitisch zu agieren.

Ich will einen letzten Punkt nennen, um dann von der Diagnose in meinen letzten 10 Minuten oder 15 Minuten zur Therapie zu kommen.

Was wir leider konstatieren müssen, als das Ergebnis der letzten etwa 10 Jahre weltpolitischen Ereignissen, ist ein fast vollkommener Vertrauensverlust zwischen den wichtigeren Mächten. Angefangen zwischen den beiden nuklearen Supermächten USA und Russland, zwischen denen es seit Jahren, beispielsweise auf der Ebene hoher militärischer Führer, nur noch ein absolutes Minimum an Kontakten gegeben hat.

Die Zeiten in denen junge russische Generäle oder Generalstabsoffiziere an der Harvard-University oder in anderen Ausbildungsprogrammen teilnehmen konnten, die sind leider längst vorbei. Das Vertrauen ist auf ein Minimum geschrumpft. Übrigens auch das zwischen der Bundesregierung und der russischen Föderation – aus all den Gründen, die ich hier nicht erläutern muss. Es ist leider so, meine Damen und Herren, dass Vertrauen die Währung der Diplomatie ist. Es ist überdies nicht nur die Währung in der Diplomatie. Das gilt ja auch im Privaten. Wenn Sie kein Vertrauen zwischen zwei Ehepartnern haben, dürfen Sie sich nicht wundern, wenn die Ehe kaputtgeht.

In der Diplomatie gilt das tatsächlich als ganz zentraler Grundsatz. Sie werden keinen durchhaltbaren, von den Parlamenten ratifizierbaren, internationalen Vertrag zustande bringen, wenn da nicht ein Mindestmaß an gegenseitigen Vertrauen existiert. Das fehlt seit Jahren und die Diagnose kann sogar noch einen Schritt weitergehen. Das ist mein letzter Punkt, den ich Ihnen vortragen werde, bevor ich zu der Frage komme, was können wir als Europäische Union in dieser Lage jetzt tun.
Wir haben es in den letzten Jahren mit einem fundamentalen Wandel bei der Natur von Konflikten und bei der Anwendung von Gewalt zu tun.

Ich habe gerade schon darüber gesprochen, dass die Konflikte zwischen den Staaten übergegangen sind zu Konflikten innerhalb der Staaten.
Jetzt kommt nochmal ein etwas juristischer Punkt. Als junger Jurist lernen Sie an der Hochschule, dass der Staat für sich in Anspruch nimmt, dass er das Gewaltmonopol hat.

Sie als Bürger dürfen ein Kampfflugzeug nicht haben, sie dürfen auch keinen Panzer haben und sie dürfen eine Jagdwaffe nur haben, wenn Sie einen Jagdschein haben. Nur der Staat darf Gewalt anwenden. Das galt bis vor Kurzem auf der ganzen Welt und wurde auch als Prinzip von allen akzeptiert.

Jetzt ist aber leider der Fall eingetreten, dass die Fähigkeit zur Schadenszufügung inzwischen in den Händen von Privatpersonen in einer Weise gelandet ist, die die Fähigkeit zur Schadenszufügung durch staatliche Institutionen in den Schatten stellt.

Denken Sie mal an Rancelware, denken Sie mal an Hacking im großen Stil, das Stilllegen der amerikanischen Pipelines mit Milliardenkosten – erst vor kurzem passiert.

Wir haben also plötzlich den Verlust des staatlichen Gewaltmonopols der staatlichen Institutionen, wir wissen auch nicht genau – Stand heute -, wie wir mit diesen unbekannten Akteuren sinnvoll umgehen können. Das klassische Prinzip der Abschreckung wirkt ja nur, wenn man den Gegner auch irgendwie identifizieren kann.

All diese Vorgänge führen dazu, dass wir nicht nur einen Verlust an Glaubwürdigkeit und an Vertrauen haben, sondern, dass die Bürger, insbesondere in unseren Staaten, im Westen auch im Begriff sind, ihr Vertrauen in die Konfliktlösungskompetenz ihrer staatlichen Institutionen zu verlieren.

Alles, was ich jetzt vorgetragen haben sind nicht besondere „good News“.
Ich bitte um Nachsicht, wenn das alles hier jetzt etwas bedrohlich klingt.

Aber das führt mich zu der Frage, was kann Deutschland tun?

Was sollte oder was müsste Europa tun, um in dieser Lage die eigenen Interessen an Selbstbestimmung, an Aufrechterhaltung unseres Wohlstandes, Verhinderung europäischer Erpressbarkeit, u.s.w., durchzusetzen.

Das Erste, was ich Ihnen sagen möchte, ist, dass es kein Land gibt, nicht nur kein Land in der Europäischen Union, sondern fast kein Land weltweit, das so sehr in seinem Wohlstand, in dem Erreichten, in seiner Stabilität abhängig ist, von dem bisherigen Funktionieren der weltpolitischen Gegebenheiten, angefangen von der Freiheit der Meere bis zur Abwesenheit von militärischen Bedrohungen, und zur ungehinderten Fähigkeit der deutschen Wirtschaft, ihre Produkte weltweit exportieren zu können.

Wir sind die größten und wichtigsten Stakeholder eines stabilen und liberalen, auf westliche Werte gegründeten, globalen Systems. Ich fürchte, dass das den Wählern, die im September in Deutschland zur Wahl gehen werden, bis heute nicht hinreichend klar ist.

Für uns steht ungeheuer viel auf dem Spiel. Unsere Prosperität ist weit mehr gefährdet, falls es wegen Taiwan zu einem Konflikt im südchinesischen Meer kommen sollte, als die Prosperität Portugals.

Denn es wird so sein, dass in Ingolstadt und in Wolfsburg die Lichter vergleichsweise schnell ausgehen, wenn plötzlich die Autoexporte nach Fernost aus welchen Gründen auch immer nicht mehr funktionieren.

Deswegen, meine Damen und Herren, kann unser Rezept nur das Rezept sein, was ein kluger belgischer Außenminister und späterer EU-Kommissar vor über 30 Jahren einmal gesagt hat. Der hieß Paul Henri Spaak und ich will ihn aus dem Gedächtnis zitieren: In der Europäischen Union gibt es zwei Sorten von Staaten. Es gibt kleine Staaten und es gibt ein paar Staaten, die noch nicht begriffen haben, dass Sie klein sind.

Das ist weltpolitisch betrachten, eine sehr weise Einsicht. Ich muss manchmal ein wenig grinsen, wenn ich diesen Satz auf den Lippen habe und dann an unsere Freunde in England denke, die ganz offensichtlich der Meinung sind, dass sie alleine mit Staaten wie China oder Indien oder Brasilien oder den USA besser umgehen können, als im Zusammenschluss der Europäischen Union.

Also wir jedenfalls hängen mehr als alle anderen ab vom Funktionieren des weltpolitischen Systems und vom Funktionieren der Europäischen Union.

Was für eine Europäische Union aber wollen wir?

Meine Damen und Herren, wir haben aus Gründen, die nicht Deutschland zu vertreten hat, in der ganzen Regierungszeit von Frau Merkel, wenn Sie das Regierungsschiff einmal als Schiff betrachten wollen, dann waren wir die ganze Zeit zwischen 2005 und 2021 damit beschäftigt, kleine Lecks oder auch größere Lecks oder Lecks, die durch Torpedos verursacht wurden, zu kitten, zu schließen, das Schiff vor dem Sinken zu bewahren.

Wir haben diese ganzen letzten 15 Jahre, die ganze Ära Merkel, nicht damit verbringen können, das europäische Schiff flottzumachen, um den Punkt zu erreichen, den Jean Claude Juncker, der frühere Präsident der Europäischen Union, mit dem Begriff formuliert hat, die Europäische Union welt-politikfähig zu machen. Wir haben im Grunde nur Reparaturarbeiten unternehmen können und müssen, um das Schiff vor dem Sinken oder vor den Wassereinbrüchen zu bewahren.

Jetzt – interessanterweise wegen der Pandemie – im Jahre 2021 kommt plötzlich dieser großartige Wiederaufbaufond mit vielen 100 Milliarden Mitteln, von denen wir nur hoffen können, dass sie tatsächlich nicht in der Landwirtschaft landen oder zu sonstigen sinnlosen Zwecken eingesetzt werden, sondern dass sie tatsächlich zur Modernisierung der Europäischen Union beitragen.

Was für eine Europäische Union brauchen wir, damit wir eine handlungsfähigere Europäische Union haben?
Jetzt sind wir hier im Fliegerhorst Wunstorf bei der Bundeswehr, deswegen würde ich zum Ende meiner Ausführungen sicher einen Fehler machen, wenn ich nicht ein einziges Wort sagen würde zu diesem Begriff der ständig durch die politischen Parteiprogramme geistert, nämlich der europäischen Armee. Das Wunschbild der europäischen Armee!
Meine Damen und Herren, ich finde, die Zielvorstellung einer europäischen Armee eine wunderbare Zielvorstellung. Aber lassen Sie uns doch bitte einmal ein kleines bisschen Bodenhaftung bewahren. Im Augenblick geht es bei der Außenpolitik der Europäischen Union ja nicht um den Einsatz einer Armee, die wir ja in der Tat noch nicht haben, sondern es geht darum, überhaupt die Fähigkeit herzustellen, zu 27 mit einer Stimme zu sprechen.

Das gelingt uns in sehr vielen Fällen, selbst in zweitrangigen Fragen, leider nicht. Und warum gelingt es uns nicht? Weil die Außenpolitik der Europäischen Union nach dem Einstimmigkeitsprinzip funktioniert. Bei jeder drittklassigen Fragen, kann jeder unter den 27 sein Veto einlegen, ohne dass das irgendeinen politischen Preis kostet.

Meistens macht man das natürlich aus innenpolitischen Gründen, damit man zu Hause sagen kann, ich bin ein ganz toller Hecht, ich habe da eine Entscheidung verhindert, die für uns nicht vorteilhaft gewesen wäre.
Ich freue mich darüber, dass eine zunehmende Zahl von Stimmen in der Bundesregierung inzwischen das Ziel unterstützt, auch in der Außenpolitik der Europäischen Union zu Mehrheitsentscheidungen überzugehen. Also das Veto eines einzelnen Mitgliedsstaates nicht mehr zu akzeptieren. Ich frage mich aber nachdem Frau Merkel, nachdem Herr Maas, nachdem Herr Weber im Europäischen Parlament, nachdem Frau von der Leyen und viele andere, dieses Ziel der Einführung von Mehrheitsentscheidungen inzwischen unterstützt haben, wann wird denn mal ein konkreter erster Vorschlag unternommen wird, um zu zeigen, dass wir es ernst meinen. Dass wir nicht nur rhetorische Formeln von uns geben, sondern dass wir tatsächlich die Europäische Union nach vorne treiben wollen.

Wenn mein Anfangssatz richtig ist, dass wir uns in einem Zeitalter rasanter fundamentaler Veränderungen befinden, machtpolitische Veränderungen, fundamentale weltpolitische Veränderungen, dann kann es nicht richtig sein, wenn wir glauben, dass wir auf dem richtigen Weg sind, wenn wir die Europäische Union einfach weiter verwalten. Emmanuel Macron hat vor drei Jahren große Entwürfe vorgelegt. Über die kann man streiten. Aber was auch meiner Sicht vollkommen unzulässig war, war das dröhnende Schweigen, was auf diese Vorschläge aus Paris aus Berlin kam. Es kam nur Schweigen. Es kamen keine Gegenvorschläge. Man sagte gar nichts. Das reicht nicht.

Jetzt will ich noch einen Punkt hinzufügen: Wenn wir wünschen, dass die Europäische Union weltpolitikfähig wird, dass sie, wie Josep Borrell sozusagen der Außenminister der Europäischen Union kürzlich formuliert hat, die Sprache der Macht lernt, dann wird die Europäische Union dieses Ziel nicht erreichen können, wenn ihr wichtigstes und stärkstes, zumindest ökonomisch stärkstes Mitglied nicht auch die Sprache der Macht lernt, nicht auch weltpolitikfähig wird.

Wenn ich hier fröhlich sage, die Europäische Union sollte mit einer Stimme sprechen, dann müssen wir natürlich zunächst einmal hier zu Hause in Berlin unsere Hausaufgaben machen und dafür sorgen, dass die Bundesregierung mit einer Stimme spricht. Ich kann Ihnen sagen, ich habe ja nur noch wenig Haare, aber die sind alle ziemlich grau geworden! Sie sind vor allem deswegen grau geworden, weil ich es über die Jahre und Jahrzehnte zu oft erlebt habe, dass das deutsche Außenministerium in Brüssel dieses, und das Verteidigungsministerium jenes und der Entwicklungshilfeminister und der Wirtschaftsminister noch etwas anderes vorgetragen haben.
Bei mir zu Hause nannte man das immer, das System „Sauhaufen“. Das kann es nicht sein. Das schadet unserer Glaubwürdigkeit.

Die Hausaufgabe lautet: eine systematische, geordnete Vorbereitung und Exekution außen- und sicherheitspolitischer Entscheidungen. Deswegen freue mich, dass einige der künftigen Verantwortlichen aus Deutschland, oder zumindest die, von denen man annehmen könnten, dass sie möglicherweise Verantwortung haben werden, z.B. Armin Laschet aber auch Frau Baerbock von den Grünen, sich anfreunden können, mit dem Gedanken einer Reform des Bundessicherheitsrates. Also ein systematischeres Aufarbeiten außen- und sicherheitspolitischer Entscheidungsprozesse, damit wir nicht mehr unsere Nachbarn und Partner mit drei oder vier verschiedenen Stimmen aus Deutschland mehr verwirren, als führen.

Worauf kommt es an? Es kommt auf die drei Ts an. T wie Theodor. Die gibt es nur auf Englisch, sonst passen die drei Ts nicht: truth (Wahrheit), trust (Vertrauen) und transparency (Transparenz).
Das müssen die Grundsätze sein, nach denen eine Europäische Union weltpolitisch agiert. Sie muss Vertrauen schaffen können, sie muss mit einer Stimme sprechen können und sie muss transparent agieren können.

Das Verabreichen von homöopathischen Kügelchen, mag bei einem leichten Grippeanfall im Einzelfall zu Heilungszielen führen. Ich glaube, dass das Verabreichen von homöopathischen Kügelchen, in diesem Fall rhetorischen Kügelchen, in der gegenwärtigen sicherheitspolitischen Lage Europas, weder uns als Bundesrepublik Deutschland noch der Europäischen Union nützt.

Ich bin deswegen dezidiert der Meinung, wir brauchen – und wir werden hoffentlich jetzt in dem beginnenden Wahlkampf in Deutschland – eine größere Hinwendung zu außen- und sicherheitspolitischen Themen haben.
Außenpolitik ist Daseinsvorsorge. Das ist nicht Luxus von so ein paar Thinktank-Fritzen und dem auswärtigen Ausschuss des Deutschen Bundestages.
Das ist Daseinsvorsorge. Ohne die Absicherung durch eine angemessene militärische Fähigkeit bleibt Außenpolitik häufig in Rhetorik stecken. Deswegen ist das Zusammenwirken von diplomatischen und militärischen Fähigkeiten auf der nationalen Ebene so wichtig, damit wir uns mit einer Stimme einbringen können.

In eine dann hoffentlich mit einer Stimme sprechenden Europäischen Union.
Es kann nicht sein, dass die deutsche Politik sich weiter darin gefällt, zu sagen, das berühmte zwei-Prozent-Ziel der Nato ist im Grunde irrelevant, was ist das für ein komische Kriterium…
Entschuldigung?!? Wir haben das selber mit beschlossen! Es war kein geringerer als der gegenwärtige Bundespräsident, der das als Außenminister vorbereitet hat, in Wales 2014 und es war niemand anderes als die gegenwärtige Bundeskanzlerin, die das Gipfeldokument in Wales mitunterschrieben hat.

Was ist denn mit deutscher Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit? Ich dachte immer, das sind Primärtugenden der Bundesrepublik Deutschland.

Ich staune darüber, dass unsere Politiker quasi ungestraft so tun können, als müsse sie das nicht mehr interessieren, was sie vor gerade mal sechs Jahren selber mitbeschlossen haben.
So wird es nichts mit trust, truth and tranparency.

Und noch einmal, zum Abschluss, meine Damen und Herren, wenn wir Europa wollen, dann wird es nur gehen, wenn Deutschland mit führt. Ich mag diese Sprüche nicht über deutsche Verantwortung. Es geht gar nicht so sehr um deutsche Verantwortung. Natürlich tragen wir eine Mitverantwortung. Aber es geht um die Wahrung und Sicherung unserer Interessen als 450 Millionen Mitglieder der Europäischen Union.
In einer Welt, die zunehmend gekennzeichnet wird – und ich habe ja versucht ein paar Hinweise darauf zu geben – von ziemlich bitteren Großmachtkonflikten, ungelösten Strukturen internationaler Zusammenarbeit. Und das wird nach meinem Urteil in den nächsten Jahren keineswegs leichter werden, sondern eher problematischer. D. h., Paul Henri Spaak hatte Recht, wenn er sagt, es gibt nur zwei Kategorien, kleine Staaten und solche, die noch nicht kapiert haben, dass sie klein sind. Und wenn wir alle kapiert haben, dass wir klein sind und nur bestehen können, gegenüber China und Indien und anderen Großmächten und auch Russland.

Wenn wir mit einer Stimme die Durchsetzung unserer Interessen beschließen, dann wird das nur gehen, wenn Deutschland mit gutem Beispiel voran geht.

Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

Hans-Hermann Ahlers
Geschäftsführer
OSPIG GmbH & Co. KG, Bremen

Neele Ahlers
Geschäftsführerin
OSPIG GmbH & Co. KG, Bremen

Prof. Thomas Albert
Intendant
Musikfest Bremen

Jürgen Albrecht
Sekretarius
Bremer Eiswette von 1829, Bremen

Dr. Jürgen Althans
Unternehmensberater/Business-Coach
Dr. Althans Consulting & Coaching, Hamburg

Stefan Bellinger
Geschäftsführender Gesellschafter
JV Carbox GmbH, Bremen

David Bent
Regierungsinspektor
Niedersächsischen Landesamt für Bau und
Liegenschaften, Hannover

Matthias Böhm
Geschäftsleitung
Lampe & Schwartze KG, Bremen

Dr. Jörg Bremer
Korrespondent
Frankfurter Allgemeine Zeitung, Rom/Berlin
Mitglied ‚Kleines Gremium‘,
Bremer Tabak-Collegium

Dr. Thomas Brinkmann, LL.M. (Tulane)
Rechtsanwalt u. Notar
Dr. Schackow & Partner – Rechtsanwälte und
Notare, Bremen
Sprecher ‚Kleines Gremium‘,
Bremer Tabak-Collegium

Ulf Brothuhn
Vorsitzender des Vorstandes
Bremische Volksbank eG, Bremen

Dipl.-Kfm. Heiner Dettmer
Geschäftsführender Gesellschafter
Dettmer Group KG, Bremen

Stefan Dohler
Vorsitzender des Vorstandes
EWE AG, Oldenburg

Christian Dohrmann
Geschäftsführer
Dohrmann Betriebe, Steyerberg

Dr. Otto Drosihn
Geschäftsführer
Dr. Drosihn-Immobilien-Verw. GmbH, Lippstadt

Cornelia Eikemeier
Geschäftsführerin
Kartonagefabrik H. Eikemeier, Langenhagen

Dr. Dietrich Elsner von der Malsburg
Rechtsanwalt u. Notar
RAe. Kapp, Ebeling & Partner, Hannover

Jürgen Fitschen
Vorsitzender des Vorstandes
Deutsche Bank Stiftung, Frankfurt am Main
Mitglied ‚Kleines Gremium‘,
Bremer Tabak-Collegium

Dr. Matthias Fonger
Hauptgeschäftsführer und I. Syndikus
Handelskammer Bremen – IHK für Bremen und
Bremerhaven

Stephan M. Friedrich
Geschäftsführer
Lürssen Industrie Beteiligungen GmbH, Bremen

Thomas Fürst
Mitglied des Vorstandes
Die Sparkasse Bremen AG, Bremen

Bernhard Gätjen
Rechtsanwalt und Notar
Bremen

Generalleutnant Ingo Gerhartz
Inspekteur
Luftwaffe der Bundeswehr, Berlin

Monique Giese
Partnerin
KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft,
Hamburg

Senator a.D. Martin Günthner, MdBB
Stv. Vorsitzender des Vorstandes
OAS AG, Bremen

Prof. Dr. Herwig Guratzsch
Hamburg
ehem. Direktor Stiftung Schleswig-Holsteinische
Landesmuseen, Schleswig
ehem. Mitglied ‚Kleines Gremium‘,
Bremer Tabak-Collegium

Jan Hartmann, CFA
Co-Founder
WH Inv. Man. SICAV, Vaduz/Liechtenstein

Dr. jur. Peter Haßkamp
Bremen
ehem. Vorsitzender des Vorstandes der Bremer
Landesbank
ehem. Mitglied ‚Kleinen Gremium‘,
Bremer Tabak-Collegium

Thomas Haukje
Geschäftsführender Gesellschafter
Nordwest Assekuranzmakler GmbH & Co. KG,
Bremen

Nils Herrmann
Geschäftsführer
Omnilab-Laborzentrum GmbH & Co. KG, Bremen

Philip W. Herwig
Geschäftsführender Gesellschafter
Röhlig Logistics GmbH & Co. KG, Bremen

Botschafter Prof. Dr. h.c. Wolfgang
Ischinger
Geschäftsführer
Stiftung Münchner Sicherheitskonferenz
(gemeinnützige) GmbH, München

Joachim Jürgens
Geschäftsführender Gesellschafter
Omnilab-Laborzentrum GmbH & Co. KG, Bremen

Generalleutnant a.D. Roland Kather
Berlin
ehem. deutscher Militärischer Vertreter bei der
NATO und der Europäischen Union

Lüder Kathmann
Geschäftsführer
Kathmann Projekte GmbH, Bremen

Dr. rer. pol. Johannes F. Kirchhoff
Geschäftsführender Gesellschafter
Kirchhoff Gruppe, Iserlohn

Arne Klarmann
Geschäftsführender Gesellschafter
Lampe & Schwartze KG, Bremen

Dr. Christoph B. Klosterkemper
Geschäftsführender Gesellschafter
Atermann König & Pavenstedt GmbH & Co. KG,
Bremen

Dr. Torsten Köhne
Vorsitzender des Vorstandes
swb Aktiengesellschaft, Bremen

Pranjal Kothari
Mitglied des Vorstandes
Die Sparkasse Bremen AG, Bremen

Honorarkonsul Ingo Kramer
Gesellschafter
J. Heinr. Kramer Holding GmbH & Co. KG,
Bremerhaven
Ehrenpräsident, Bundesvereinigung der
Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), Berlin
Honorarkonsul der Republik Haiti

Rebecca K. Kreuzgrabe
Generalbevollmächtigte und
Mitglied ‚Kleines Gremium‘
Bremer Tabak-Collegium

Hans-Dieter Lampe
Geschäftsführender Gesellschafter
Handelsgesellschaft Frantz Kragh GmbH, Bremen
Mitglied ‚Kleines Gremium‘,
Bremer Tabak-Collegium

Siegfried Lamprecht
Partner
Lamprecht Leadership Consultants International,
Wollerau a. Zürichsee

Thomas Leiber
Projektleiter SAP S/4HANA
BLG Logistics Group AG & Co. KG, Bremen

Dr. Jan Leugering
Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie
Zoum – Zentrum für orthopädisch/unfallchirurgische Medizin, Bremen

Dr. Gerhard Liening
Partner
Dr. Schackow & Partner – Rechtsanwälte und
Notare, Bremen

Dr. Claus Liesner
Geschäftsführender Gesellschafter
AMC Asset Management Consulting GmbH,
Hamburg

Robert Mahn
Mitglied des Vorstandes
Minerva Versicherungs-AG, Bremen

Patrick Mahn
Gesellschafter
Drewes & Runge GmbH & Co. KG, Bremen

Janina Marahrens-Hashagen
Geschäftsführende Gesellschafterin
H. Marahrens Schilderwerk Siebdruckerei
Stempel GmbH, Bremen
Präses der Handelskammer Bremen – IHK für
Bremen und Bremerhaven

Dr. Georg Mecke
Bremen
Ehem. Vice President Standortleiter Hamburg
Airbus Operations GmbH

Dr. Klaus Meier
Vorsitzender des Aufsichtsrates
wpd AG, Bremen

Prof. Dr. h.c. Rudolf Mellinghoff
Ottobrunn
Richter des Bundesverfassungsgerichts a.D.
Präsident des Bundesfinanzhofes a.D.
Mitglied ‚Kleines Gremium‘,
Bremer Tabak-Collegium

Andreas Meyer
Hauptgeschäftsführer
Handwerkskammer Bremen

Dr. Harm Meyer-Stiens
Abteilungsdirektor
VGH Versicherungen, Bremen
Vizepräsident der Unternehmensverbände
im Lande Bremen e.V., Bremen

George C. Muhle
Geschäftsführender Gesellschafter
Atermann König & Pavenstedt GmbH & Co. KG,
Bremen

Brigadegeneral Boris Nannt
Kommandeur
Logistikschule der Bundeswehr in Garlstedt,
Osterholz-Scharmbeck

Cornelius Neumann-Redlin
Hauptgeschäftsführer
Die Unternehmensverbände im Lande Bremen
e.V., Bremen

Sabine Niemeyer
Mitglied der Geschäftsleitung
Deutsche Bank AG, Bremen

Minister a.D.
Prof. Dr. Dr. h.c. Karl-Heinz Paqué
Lehrstuhl für Internationale Wirtschaft
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg,
Magdeburg
Vorsitzender der Friedrich-Neumann-Stiftung für
die Freiheit, Potsdam
Mitglied ‚Kleines Gremium‘,
Bremer Tabak-Collegium

Bernd Petrat
Geschäftsführender Gesellschafter
Nordwest Industrie Group GmbH, Frankfurt am
Main

Caspar Plump
Geschäftsführer
Tiemann Landtechnik GmbH & Co. KG, Bremen

Rendel Rieckmann
Managing Director
Westhouse Consulting GmbH, Garching bei München

Gerhard B. Roggemann
Unternehmensberater
Hannover

Jürgen Roggemann
Gesellschafter
Enno Roggemann GmbH & Co., Bremen

Thorsten Rönner
Geschäftsführender Gesellschafter
Heinrich Rönner Gruppe, Bremerhaven

Dr. Nicolai Rosin
Rechtsanwalt
Ganten Hünecke Bieniek & Partner mbB, Bremen

Alexander Ruddat
Geschäftsführender Gesellschafter
Ruddat Grundbesitz GmbH & Co. KG, Bremen

Dipl.-Kfm. Julius C. Runge
Geschäftsführender Gesellschafter
Tegro Runge GmbH, Bremen

Senator E.h. Prof. Dr. h.c. mult. Klaus
Gerhard Saur
München
ehem. Geschäftsf. Gesellschafter
Walter de Gruyter GmbH Verlag, Berlin
ehem. Mitglied ‚Kleines Gremium‘,
Bremer Tabak-Collegium

Nikolaus Schadeck
Partner
KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft,
Bremen

Dr. h.c. André Schmitz
Vorsitzender des Vorstandes
Schwarzkopf-Stiftung, Berlin
Mitglied ‚Kleines Gremium‘,
Bremer Tabak-Collegium

Vizeadmiral Kay-Achim Schönbach
Inspekteur der Marine
Marinekommando, Rostock

Bernd Schultz
Villa Grisebach, Berlin
ehem. Mitglied ‚Kleines Gremium‘,
Bremer Tabak-Collegium

Ralf Stapp
Mitglied der Geschäftsführung
Bremer Aufbau-Bank GmbH, Bremen

Hauptmann Andreas Steinmetz
Stv. Bundesvorsitzender
Deutscher BundeswehrVerband e. V., Berlin

Oberst Wolfgang Stern
Stv. Kommodore
Lufttransportgeschwaders 62 – Fliegerhorst
Wunstorf

Cornelius Strangemann
Geschäftsführer
Lestra Kaufhaus GmbH, Bremen

Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Joachim Treusch
President Emeritus
Jacobs University Bremen
ehem. Mitglied ‚Kleines Gremium‘,
Bremer Tabak-Collegium

Christian Veit
Mitglied des Vorstandes
Deutsche Hypothekenbank AG, Hannover

Senatorin Kristina Vogt
Senatorin für Wirtschaft, Arbeit und Europa,
Bremen

Jürgen Wache
Vorstandssprecher
Hannoversche Volksbank eG, Hannover

Gero von der Wense
Hannover

General a.D. Volker Wieker
Ganderkesee
Generalinspekteur der Bundeswehr a.D.
Mitglied ‚Kleines Gremium‘,
Bremer Tabak-Collegium

Malte Wilkens
Geschäftsführer
Peper & Söhne Projekt GmbH, Bremen

Klaus Windheuser
Mitglied des Vorstands
Die Sparkasse Bremen AG, Bremen

Dr. Jörg Wissdorf
Mitglied des Vorstandes
Sikora AG, Bremen

Alexander Witte
Managing Partner
Early Brands GmbH, Bremen
Vorstand Wolfgang-Ritter-Stiftung, Bremen

Nils Wrogemann
Director
Deutsche Bank AG, Bremen

Dr. Kevin Yam
Vorstand
Seghorn AG, Bremen

Kurt Zech
Geschäftsführender Gesellschafter
Zech Group GmbH, Bremen

Axel Ziemke
Managing Director
Eppendorf AG, Hamburg

Dr. Matthias Zimmermann
Geschäftsführender Gesellschafter
WWB Weser-Wohnbau Holding GmbH & Co. KG,
Bremen

Jens Zurstiege
Unternehmer
JBZ Consult-Invest, Bremen